Eurozone | 31.07.2017

Portugal: Der Kampf der prassenden Südländer

In der deutschen Presse wurde Portugal bis vor kurzem als Beispiel für gelungene Austeritätspolitik präsentiert. Doch dann der Schock: Ende 2015 kam eine Linksregierung ins Amt, die seitdem natürlich alle bisherigen Erfolge fahrlässig verspielt.

Doch wie so oft – wenn man genauer hinschaut, bleibt von dieser gängigen Mainstream-Interpretation der Wirklichkeit nichts, aber auch gar nichts übrig.

Von Anfang an war die „Verkrisung“ Portugals ohnehin eigentümlich. Anders als andere Länder musste Portugal in der Bankenkrise ab 2008 zunächst kaum Banken retten. Anders als andere Länder hatte Portugal auch keineswegs dramatische Staatsschulden oder eine Immobilienblase, wie Spanien. Die portugiesische Staatverschuldung lag 2007 bei 68 % des Inlandsprodukts und damit ganz nahe am EWU-Durchschnitt von 66%.

Angekreidet wurde dem Land allerdings ein hohes Leistungsbilanzdefizit und ein defizitärer Staatshaushalt. Die daraus resultierenden negativen Prognosen führten dazu, dass Portugal über den Kapitalmarkt keine finanzierbaren Kredite mehr erhielt. Das Land wurde daher ab 2011 den EU- Sparprogrammen unterworfen. Mit verheerenden Folgen.

Makroskop-Leser kennen die Auswirkungen von Austeritätsprogrammen. Um nicht zu langweilen, deshalb nur kurz das Wesentliche: Das Inlandsprodukt stürzte ab, die Industrieproduktion liegt seither dauerhaft gute 10 % unter dem Vorkrisenniveau. Die Investitionsquote fiel von rund 25 % vor der Krise auf derzeit weniger als 15 % des BIP. [...]

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