Brasilien | 07.08.2017 (editiert am 09.08.2017)

Mit den Ersparnissen des Auslandes wachsen…

Auch große Schwellenländer wie Brasilien mit einer eigenständigen Tradition in kritischer Ökonomik können sich dem neoklassischen Mainstream und einer ultraorthodoxen Zentralbank nicht widersetzen. Das treibt ungeahnte Blüten. Ein Erfahrungsbericht aus Sao Paolo.

Entwicklungs- und Schwellenländer müssen nicht nur mit den Produkten leben, die ihnen der Norden permanent aufzwingt (McDonalds lässt grüßen), sondern sie sind leider auch nicht immun gegen den intellektuellen Fast Food, den ihnen der Norden dauernd um die Ohren schlägt und dessen sie sich kaum erwehren können. Die Erkenntnisse, die aus dem Norden kommen, sind doch in den besten Instituten und Universitäten ausgebrütet worden und können daher gar nicht falsch sein. Wie könnte ein Schwellenland behaupten, es brauche die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des Nordens nicht, weil es sich das alles selbst und viel besser erarbeitet hat. Dass das in ökonomischen Fragen ganz anders ist, wird immer noch nicht verstanden.

Ich war am Wochenende in Sao Paolo zu einer wissenschaftlichen Konferenz eingeladen, bei der es um makroökonomische Steuerung im weitesten Sinne ging. Zwar waren die meisten der Ökonomen auf dieser Konferenz kritischen Schulen zuzurechnen, die nicht einfach Neoklassik nachbeten. Aber auch in Brasilien wird an den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten in erster Linie Neoklassik gelehrt, wie mir viele der anwesenden Studenten leidgeprüft versicherten. [...]

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