EU | 01.08.2017

Strategie mit desaströsen Folgen

Da freie Märkte rational und effizient sind, steigt auch die Produktivität. Stimmt das?

Vor kurzem hat Fritz W. Scharpf hier auf Makroskop die Strategie der EU zur Forcierung der Wettbewerbsfähigkeit der Staaten der EU und ihre desaströsen Folgen für den Euroraum vorgestellt. Es konnte in der Darstellung von Scharpf der Eindruck aufkommen, dass diese Strategie zwar üble Nebenfolgen hat, da sie die Stabilität der Eurozone gefährdet, jedoch an sich erfolgreich sein könnte.

Daran gibt es jedoch berechtigte Zweifel. Bei näherem Hinsehen drängt sich der Eindruck auf, dass eine solche Strategie die Steigerung der Arbeitsproduktivität ausbremst, damit den Wohlstand der Staaten insgesamt gefährdet und so ihre selbstgesetzten Ziele nicht erreichen kann.

Zentrales Element der Wettbewerbsstrategie sind sogenannte Strukturreformen, womit im wesentlichen Reformen des Arbeitsmarktes und des Sozialstaates gemeint sind. Das Ziel ist eine „Flexibilisierung“ der Arbeitsmärkte und eine Verschlankung der Sozialsysteme, um die Lohnstückkosten zu senken.

Hier auf Makroskop wurden die destabilisierenden Wirkungen einer solchen Strategie wiederholt dargestellt; insbesondere die Zerstörung der Nachfrage, welche damit einhergeht und in eine deflationäre Abwärtsspirale führt. Es gibt jedoch noch einen zweiten Aspekt, der den Wohlstand gefährdet: Das Wachstum der Arbeitsproduktivität wird blockiert.

Paradigmatisch wurde die neoliberale Wettbewerbsstrategie von Alberto Alesina im Aufsatz „The Welfare State and Competitiveness“ 1994 formuliert. [...]

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