Arbeit | 08.08.2017

Theorie des ersten Augenscheins

Ging die gewerkschaftliche Lohnzurückhaltung wirklich von den Betriebsräten aus? Vier Einwände gegen die Polemik von Hardy Koch gegen Gerhard Bosch. [1]

Erstens

Nein, die Durchsetzung einer zurückhaltenden Lohnpolitik kann nicht auf Handlungen von Konzernbetriebsräten zurückgeführt werden. Anders als von Hardy Koch behauptet, ging die Initiative für den Abschied von der produktivitätsorientierten Lohnpolitik auf den ersten Blick von Klaus Zwickel aus. Zwickel war ab 1989 Zweiter Vorsitzender und seit 1993 Vorsitzender der IG Metall. Begründet wurde diese Politik durch seinen Büroleiter (und Redenschreiber) Klaus Lang.

Zwickel hatte in seiner Rede am 1. November 1995 auf dem Gewerkschaftstag der IGM in Berlin ein „Bündnis für Arbeit“ angeboten. Die IGM würde sich bei Lohnverhandlungen lediglich am Ausgleich der Preissteigerung orientieren, wenn die Arbeitgeber 300.000 neue Arbeitsplätze plus 30.000 Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose schaffen würden.

Theoretisch wurde das Ganze von Lang mit der Schaffung einer für Löhne nicht verwendeten „Produktivitätskomponente“ begründet, die für neue Beschäftigung genutzt werden könnte. Hintergrund für diese Entscheidung war nicht zuletzt die zunehmende Tarifflucht der Unternehmen und eine Fehleinschätzung des Abschlusses der IGM im Frühjahr 1995 in Bayern.

Walter Riester war es, [...]

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