Amerika | 04.08.2017

Trump – ein Kollateralschaden des Krieges

Hat Donald Trump die Wahl gewonnen, weil Hillary Clinton für vergangene Kriege mitverantwortlich gemacht wurde? Ein neu Studie legt genau das nahe.

Als Donald Trump letzten November die Präsidentschaftswahlen gewonnen hatte, schrieb ich ein etwas längeres Stück, um mögliche Ursachen des unerwarteten Wahlausgangs zu umreißen. Die zwei wichtigsten Gründe, die ich dabei nannte, waren zum einen Clintons wirtschaftliches Wahlprogramm und zum anderen ihre Haltung zum Krieg.

Hinsichtlich des Wahlprogramms lässt sich auch heute noch sagen, dass es Arroganz und politische Blindheit allerhöchsten Kalibers war, lediglich eine Fortführung von Obamas Wirtschaftspolitik zu fordern. Denn für die Bevölkerungsgruppe, die in den letzten 35 Jahren am meisten zum Verzicht gezwungen worden war – ein Prozess, den Obama nie ins Gegenteil verkehrt hat –, war Clintons Programm nicht wirklich ansprechend.

Und bezüglich Clintons Haltung zum Krieg hatte ich vermutet, dass viele Amerikaner all die Kriege leid waren und dies Einfluss auf das Wahlergebnis genommen hatte. Dabei kann man natürlich nicht sagen, dass Trump gegen Krieg ist bzw. war. Doch dies wurde im Wahlkampf so wahrgenommen und Trump konnte das gut verkaufen.

Es gibt nun empirische Beweise, die meine damaligen Vermutungen stützen. Eine kürzlich erschienene Studie von Douglas Kriner (Professor für Politikwissenschaft an der Universität Boston) und Francis Shen (Professor für Jura an der Universität von Minnesota) zeigt, dass Trump in Gemeinden, die eine hohe Zahl an Kriegsopfern zu beklagen hat, mehr Stimmen erhalten hat als in Gemeinden mit einer niedrigeren Zahl an Kriegsopfern.

Laut den Autoren erklärt diese Tatsache, warum Trump die wichtigen Stimmen in den „Swing States“ Pennsylvania, Wisconsin und Michigan für sich gewinnen konnte. Vergleicht man die Präsidentschaftswahlen der Jahr 2012 und 2016 miteinander, kann man erkennen, so die Autoren, dass sich das Wahlverhalten in Regionen, die in den letzten 15 Jahren eine hohe Zahl an Kriegstoten zu verzeichnen hatten, zugunsten von Trump verschoben hat.

Kriner und Shen haben sich bei ihrer Studie aber auch andere relevante Faktoren betrachtet – Herkunft, Einkommen, Bildung, Anteil der Bevölkerung in ländlichen Gebieten (gewöhnlich ist dieser Teil der Bevölkerung konservativer) und Anteil der Bevölkerung mit militärischem Hintergrund (gewöhnlich wählt dieser Teil der Bevölkerung vorrangig Kandidaten, die das Militär unterstützen). Die Anzahl an Kriegsopfern war statistisch gesehen signifikant und diente als Kontrollfaktor für all die anderen, genannten Variablen. Kriner und Shen schließen aus ihrer Forschungsergebnissen, dass drei Swing States – Wisconsin, Michigan und Pennsylvania – Clinton gewählt hätten, wenn die Zahl der Kriegstoten in diesen Staaten geringer gewesen wäre.


Abbildung 1

Die Forscher schließen ihre Schlussfolgerungen mit einer Reihe von politischen Empfehlungen:

 «Die Demokratische Partei unterzieht sich derzeit einer sporadischen Selbstanalyse, um zu verstehen, warum sie keinen Draht zu vielen Wählern der Arbeiterklasse und Landbevölkerung, die Roosevelts Partei für Trump den Rücken gekehrt hat, herstellen kann. Der Fokus liegt dabei aber hauptsächlich auf Themen wie Handelspolitik, Ungleichheit und Identitätspolitik. Daher sollten die Demokraten ebenfalls ihre Außenpolitik überdenken, wenn sie sich erhoffen, die Wahlstimmen von der Wählerschaft, die von 15 Jahren Krieg erschöpft ist und sich von diesem entfremdet hat, zurückgewinnen möchte.»

Die Populisten-Rebellionsthese

Diese Befunde sind aus mehr als nur einem Grund interessant. Zum einen zeigen sie, dass die Amerikaner die Pro-Krieg-Haltung beider Parteien leid waren und den Kandidaten gewählt haben, den sie als geringeres Übel hinsichtlich der Kriegstreiberei einschätzten. Zum anderen entkräften die Befunde die These, dass Trump es nur durch Populismus an die Macht geschafft hat.

Diese These hat seit der Ernennung Trumps immer mehr Befürworter um sich geschart – ob nun Journalisten, Akademiker oder Blogger. Mit scharfen Worten lässt sie sich wie folgt zusammenfassen:

Trump wurde Präsident, weil er von vielen Idioten, Rassisten und Ur-Faschisten gewählt wurde. Diese Leute sind so dumm, dass sie gegen ihre eigenen Interessen gewählt haben.

Ich habe dieser „These“ nie zugestimmt, da sie selbstentlastend und selbstgerecht ist. Die Empirie dahinter ist zwar mehr oder weniger korrekt, d.h. es stimmt, dass viele mit ihrer Stimme für Trump gegen ihre Interessen gewählt haben. Doch es bleibt die Frage, wo denn all diese „Idioten“ herkamen. Die Studie von Kriner und Shen stellt nun diese „Idioten-These“ doch erheblich in Frage. Denn sollten die beiden Professoren recht behalten, dann haben die Wähler, deren Gemeinden langfristig vom andauernden Krieg im Ausland negativ beeinträchtigt wurden, einen Kandidaten gewählt, den sie für weniger kriegslüstern hielten. Und das klingt recht rational und keineswegs idiotisch.

Die Studie erinnert aber auch daran, dass auch die schweren personellen Lasten eines Krieges in einem Land ohne Wehrpflicht sehr einseitig in der Gesellschaft verteilt werden. Waren im Vietnamkrieg noch fast alle Gesellschaftsschichten mit personellen Verlusten betroffen, werden die heutigen Kriege vor allem von den Kindern der Gesellschaftsschichten geführt, die ohnehin benachteiligt und weitgehend vergessen sind. Eine Berufsarmee ist das perfekte Mittel, die persönliche Betroffenheit genau von denen wegzunehmen, die über die Kriege zu entscheiden haben.

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