Finanzsystem | 13.09.2017 (editiert am 21.09.2017)

Die Hüter der Gegenreform

Zentralbanken sollen keine Politik betreiben? Eine Illusion. Welche Folgen das Dogma ihrer „Unabhängigkeit“ haben kann, bewies schon die Deutsche Bundesbank.

Was sich am 1. März 1973, einem wolkigen und verschneiten Donnerstag, im Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank zutrug, sollte als ideologischer Kurswechsel mit großer Tragweite in die Zeitgeschichte eingehen.

Bis dato war die stabilitätspolitische Debatte in Frankfurt von den Problemen des Bretton-Woods-System beherrscht. Die Unterbewertung der Deutschen Mark, importierte Inflation und die erzwungene Geldschöpfung durch Devisenankäufe des US-Dollars im Zuge des Vietnamkrieges. Doch mit der Entscheidung, die die Ratsmitglieder, unter anderem die Herren Karl Klasen, Otmar Emminger und Helmut Schlesinger, am Donnerstag den 1. März fällten, änderte sich alles.

Rückblick. Zweimal waren es „unabhängige“ Notenbanken, die für große Wirtschaftskrisen mitverantwortlich waren. Erstens wurde die durch Reparationszahlungen provozierte große Inflation in Deutschland 1922/1923 von der seit dem Autonomiegesetz vom 26. Mai 1922 unabhängigen Reichsbank weiter verschärft. Zweitens war es die ähnliche autonome amerikanische FED, die noch nach dem berühmten „Schwarzen Donnerstag“ im Oktober 1929, als die New Yorker Aktienkurse in die Tiefe stürzten, der Wirtschaft die Kasse um mehr als 30 Prozent kürzte und damit die Talfahrt beschleunigte.

Ungeachtet dessen setzte sich in Deutschland die Auffassung durch, [...]

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