Editorial | 13.09.2017 (editiert am 15.09.2017)

Markt und Staat neu denken.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Wählerinnen und Wähler,

die Bundestagswahl steht kurz vor der Tür, doch von einem Wahlkampf, der den Namen verdient, ist keine Spur zu sehen. Inhalte stehen hinten an. In dem „Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“, herrscht trügerische Wohlfühlatmosphäre – oder Apathie.

In dieser Atmosphäre sucht eine entkernte SPD verzweifelt Mittel und Wege, Bundeskanzlerin Angela Merkel in eine Debatte zu verwickeln. Doch „weiter so“ Merkel verweigert sich. Der Spiegel sprach von „asymmetrischer Merkelisierung“, in Anlehnung an die Strategie einer asymmetrischen Demobilisierung. Ergo, um die Wähler des Gegners nicht zu mobilisieren, werden jegliche Stellungnahmen zu kontroversen Themen vermieden.

Das Kanzler-Duell geriet zum Duett. Wer debattiert, verliert. Stattdessen simple Parolen, Emotionen und Etiketten. Fast-Thinking im Stile von Tweets und Facebook-Statements. Politik wird mehr und mehr zum Marketing mit dem allgemeinen Tenor: „Deutschland geht es gut.“ Es ist die pathologische Selbstbestätigung der Republik.

CDU/CSU ruhen sich auf der Unfähigkeit der Konkurrenz aus und werden damit aller Voraussicht nach durchkommen. Denn die SPD will von allem ein bisschen, aber bloß nicht zu viel und auch nicht wirklich. Die Grünen schweben entrückt in ihrer ganz eigenen Parallelwelt. Die Linken sind vor allem mit sich selbst und ihrer Selbstfindung beschäftigt. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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