Arbeit | 19.09.2017 (editiert am 21.09.2017)

Theorie des erweiterten Augenscheins

Michael Wendl hat mit der Replik „Theorie des ersten Augenscheins“ auf meine Kritik der Konzernbetriebsräte reagiert. Der schöne Titel wird – sein Einverständnis vorausgesetzt – leicht abgewandelt fortgeschrieben.

Auf beeindruckende Weise beschreibt der Kollege Wendl die Verfehlungen und Fehleinschätzungen von akademischen Denkern und gewerkschaftlichen Entscheidungsträgern im Dunstfeld der Globalisierung. Da liegt er weitgehend richtig. Bei der Einschätzung der Rolle und Einflussnahme der Konzernbetriebsräte liegt er leider falsch. Gemessen an der Gesamtproblematik ist das aber keine zu vernachlässigende Größe.

Zu den beiden Kernbereichen gewerkschaftlicher Arbeit gehören die Betriebspolitik in den vielfältigen Formen und Inhalten innerbetrieblicher Mitbestimmung (z.B. Regelung von Pausen – und Arbeitszeiten) und das zentrale Feld der Lohnfindung in Form überbetrieblicher Tarifpolitik in den jeweiligen Branchen oder branchenübergreifend auf nationaler oder regionaler Ebene. Akteure globaler Wertschöpfungsketten inbegriffen.

Diese Zweiteilung ist kein Zufall, sondern sachgerecht und jeweils unverzichtbar bei der Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen in unmittelbar materiellen und Arbeitswelt gestaltenden Fragen. Die Balance und Wechselwirkung zwischen diesen beiden Handlungsfeldern ist entscheidend für die Durchsetzungsfähigkeit legitimer Interessen der abhängig Beschäftigten und gleichzeitig Ausdruck für die jeweilige innergewerkschaftliche Willensbildung.

Betriebliche Mitbestimmung und überbetriebliche Tarifpolitik bilden daher keine konkurrierenden, sondern komplementäre Handlungsfelder der Gewerkschaften und Arbeitgeber, [...]

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