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Kommentar | 04.10.2017 (editiert am 22.10.2017)

Alarm wovor?

Es ist ein gängiges Verfahren bei Ökonomen und Sozialwissenschaftlern, neue Realitäten so lange argumentativ zurechtzubiegen, bis sie zur Bestätigung der eigenen Theorie taugen. Besichtigen kann man das leider auch bei Sebastian Müller.

AfD-Wähler sind „Modernisierungsverlierer“ und Teil einer neu entstehenden „Klasse des transnationalen Unten“, die das „Pendant zu den erfolgreichen Globalisten ist“. So zumindest die Wahlanalyse von Sebastian Müller im Makroskop-Artikel „Alarmstufe Rot“.

Das klingt zunächst durchaus überlegenswert, benennt aber im weiteren Argumentationsverlauf die Gründe für den Aufschwung des Rechtspopulismus entweder direkt falsch oder verniedlicht sie zur Randnotiz. Mit einer falschen Diagnose findet man aber nicht die richtige Medizin.

Zunächst einmal irritiert es, wenn der Autor eingangs das Bild einer Einheitsfront der „wackeren Demokraten“ zeichnet, die mit „hysterischer Schnappatmung“ und „naserümpfender Arroganz“ gegen die arme AfD wüten. Dass die „Brandstifter“ dann auch noch genauso bei den gegen Rassismus Protestierenden gesichtet werden, wie bei denen, die reale Brandsätze in Flüchtlingsunterkünfte herbeireden, ist schon harter Tobak.

Realität und Problem in Deutschland ist keineswegs eine aggressive und ignorante Front gegen AfD wählende Globalisierungsverlierer. Das Problem in diesem Zusammenhang ist ganz im Gegenteil, dass die CSU und Teile der CDU immer offener der rechtsradikalen AfD hinterherlaufen und sich das politische Spektrum insgesamt nach rechts verschiebt. [...]

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