Genial daneben | 17.10.2017

Es wird einmal ein Wunder geschehen

Die Bankenunion ist eine Reaktion von Marktgläubigen auf eine kognitive Dissonanz. Sie ist Ausweis dafür, dass sie nicht bereit sind, ihre falschen Meinungen zu revidieren. Stattdessen setzen sie lieber auf ein Wunder.

Menschen sind Wesen, die oftmals auf Basis von emotional aufgeladenen Meinungen Handlungen vollziehen. Sind solche Handlungen nicht erfolgreich, dann kann das zu einem negativen Gefühl führen, das in der Sozialpsychologie im Anschluss an die bahnbrechenden Arbeiten Leon Festingers (1919 – 1989) als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet wird.

Solche Gefühle sind, wenn auch subjektiv negativ empfunden, durchaus als positiv zu bewerten. Denn sie ermöglichen es Menschen, aus Erfahrungen zu lernen. Je stärker aber die handlungsleitenden Meinungen von Menschen emotional aufgeladen sind, desto schwerer ist es, diese zu revidieren. Kognitive Dissonanzen können daher sogar ein Lernen aus Erfahrung massiv behindern und zu irrationalen Reaktionen führen.

Wer schon einmal unglücklich verliebt war, wird sowohl über dieses unangenehme Gefühl und eine Reihe von irrationalen Reaktionen darauf zu berichten wissen. Eine solche Reaktion findet man in einem wunderbaren Lied von Zarah Leander besungen. Weil das Eingeständnis einer unerwiderten Liebe zu dem Gefühl führt, dass nun „das Leben ohne Sinn“ ist, wird eine besondere Art des Wissens, [...]

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