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Theorie | 27.10.2017

Und jetzt wollt ihr wirklich reden?

Nachdem (fast) alle kritischen Stimmen aus Universitätsalltag und Beratungsinstituten verschwunden sind, fordern Mainstream-Ökonomen mehr Einmischung. Ich nehme das Angebot hiermit an.

Die Entwicklung in der deutschen Wirtschaftswissenschaft wie auch die Tatsache, dass man keine inhaltliche Auseinandersetzung sucht, legt den Verdacht nahe, dass sich die Institute für eine ernsthafte Debatte einen feuchten Kehricht interessieren. Die Fälle Bofinger und Ehnts sind dafür eindrucksvolle Indizien.

Passend dazu: Vor knapp 3 Wochen fiel mir die neueste Ausgabe des in Deutschland wohl am häufigsten benutzen Makroökonomik-Lehrbuches von Blanchard und Illing in die Hände. Und auf den ersten Blick scheint es so, als hätte man auf die Kritik der vergangenen Jahre reagiert. In der neuen Auflage setzt die Zentralbank den Zinssatz und das Geldangebot wird endogen durch die Nachfrage bestimmt.

Der erste Schein trügt aber wie so oft. Wenn es darum geht, zu erklären, was bei steigender Geldnachfrage passiert (wie z.B. aufgrund des Zusammenbruchs des Interbankenmarktes im August 2007), springt das Buch zwischen Zins- und Geldemengensteuerung hin- und her und vermag nicht, den Interbankenmarkt verständlich darzustellen. Wer sich vorher mit der Materie nicht auskannte, den wird diese Beschreibung nur zusätzlich verwirren.

Den umstrittenen Geldschöpfungsmultiplikator hat man übrigens aus dem Stichwortverzeichnis des Buches gestrichen (im Glossar wurde er offenbar übersehen). [...]

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