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Theorie | 10.10.2017

Zwischen Abschottung und Aufruhr

Die deutsche Ökonomenzunft ist in Aufruhr. Die herrschende Lehrbuchmeinung steht unter Druck, der Ton wird rauer. Doch um was geht es in der Sache eigentlich?

Die hitzige Debatte um Makroskop-Autor Dirk Ehnts ist ein schönes Beispiel. Ehnts hatte auf dem Blog Ökonomenstimme einen viel beachteten und -diskutierten Beitrag zur endogenen Geldschöpfung veröffentlicht. Obwohl ihm in der Sache alle zustimmen, wurde er dennoch als Scharlatan beschimpft, weil seine Ausführungen mit einer Kritik an der herrschenden Lehrbuchdarstellung verknüpft sind.

Ein weiteres Beispiel: Peter Bofinger wird implizit als Amateur diffamiert, weil er staatliche Industriepolitik befürwortet, statt uneingeschränkt auf den Markt zu vertrauen (noch deutlich unverschämter hier).

Und Johannes Becker kritisiert die harte Oppositionshaltung von Studenteninitiativen wie die Plurale Ökonomik und fordert mehr Austausch ein.

Diese Entwicklung ist aus Sicht eines heterodoxen Ökonomens zu begrüßen, da sie zeigt, dass der ökonomische Mainstream die Kritik an der herrschenden Lehrbuchmeinung nicht mehr ignorieren kann. Und es deckt sich mit vielen Gesprächen, die ich mit jungen Studierenden geführt habe. Die Freude ist ihnen anzusehen, wenn man klar sagt, dass man nicht alles glauben muss, nur weil es in einem Lehrbuch oder einem Top-Journal veröffentlicht wurde. [...]

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