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Theorie | 10.11.2017 (editiert am 12.11.2017)

Das Ende des „reifen“ Kapitalismus

Mit der Aushöhlung des Mechanismus, durch steigende Masseneinkommen Profit zu schaffen, geht eine Ära zu Ende. Nur der Staat bleibt noch, um den Kapitalismus zu erhalten.

Dass für den Kapitalismus die Balance zwischen Kapital und Arbeit überlebensnotwendig ist, brauchte lange niemand zu verstehen. Zumindest solange nicht, als dass die Stahlarbeiter, Kumpel im Tagebau oder Maurer stark genug waren, um steigende Einkommen zu erzwingen und auch großzügig auszugeben. Gegen den Widerstand der Unternehmer generierten sie also Nachfrage, die an die Unternehmen zurückfloss. Immer erst dann, wenn die Kraft der Arbeitnehmer geschwächt wurde, war auch der Kapitalismus bedroht.

Mit dem Ende des „reifen“ Kapitalismus – zu definieren als immer größere Einkommen für die Masse der Bevölkerung – endet nun eine ganze Ära. Veränderte Bedürfnisstrukturen, von technischen Innovationen ausgelöste makroökonomische Konfigurationen und neue weltwirtschaftliche Bedingungen modifizieren den bisher gültigen Mechanismus: Steigende Masseneinkommen schaffen Wachstum und Profit.

Der Kapitalismus hat den Konsum breiter Massen auf ein bislang nicht bekanntes Niveau angehoben. Bei diesem Prozess haben sich auch die Bedürfnisse geändert. Der Kalorienverbrauch ist weniger gestiegen, als der Nahrungsmittelverbrauch, weil immer höherwertigere Nahrungsmittel nachgefragt werden. Der Nahrungsmittelverbrauch wiederum ist langsamer gestiegen als der Verbrauch industrieller Produkte, [...]

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