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Kommentar | 16.11.2017 (editiert am 21.11.2017)

Eigenartige Zeiten

Der Spiegel vergleicht das Jahresgutachten der Wirtschaftsweisen mit der Realität und kommt zu dem Schluss, dass wir in eigenartigen Zeiten leben. Eigenartig ja, aber nicht die Zeiten, sondern das Gutachten verdienen dieses Attribut.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat kürzlich der Bundeskanzlerin sein Jahresgutachten 2017/18 überreicht. Henrik Müller vom Spiegel fasst dessen Inhalt kurz und korrekt wie folgt zusammen:

«Die ganze Wirtschaft ist in Schwung: Der Bau boomt. Der Export brummt. Viele Deutsche gehen shoppen. Die Stimmung bei den Unternehmen ist rekordverdächtig gut. […] Deutschland stecke in einem Überhitzungsszenario, warnt jetzt der Sachverständigenrat […]»

Müller bemüht sich in seinem Artikel redlich, alles was die Sachverständigen in ihrem Gutachten an „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ zusammengetragen haben, auch als solche angemessen zu würdigen. Er sieht aber, dass zwischen der Realität und den Aussagen der Wirtschaftsweisen eine Lücke klafft, die nur schwer zu schließen ist. Da er an der Expertise der „Wissenschaftler“ nicht zu zweifeln wagt, entschließt er sich, statt der Aussagen der Weisen, die „Zeiten“ als „eigenartig“ zu bezeichnen:

«Dieser Boom weist Eigenartigkeiten auf, die es in früheren Aufschwungsphasen nicht gab.»

Sein Versuch, sich die Realität so zurechtzubiegen, [...]

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