Kommentar | 10.11.2017 (editiert am 12.11.2017)

Von der Wohlfahrt zur Wohltätigkeit

PR-Coups superreicher Philanthropen produzieren immer neue Schlagzeilen. Nun aber lassen die Enthüllungen der Paradise-Papers um Bono aufhorchen. Sie stehen für die ganze Bigotterie der inszenierten Wohltätigkeit.

Bono, Frontman der Kultband U2, zeitweise Präsidentschaftskandidat der Weltbank, ist unermüdlich im Einsatz für eine bessere Welt. Mit „Jubilee 2000“ warb er für einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder. Kurz darauf gründete er zusammen mit Microsoft-Gründer Bill und dessen Frau Melinda Gates 2002 die Organisation „Debt, AIDS, Trade in Africa“ (DATA), die sich für Schuldenerlass, Freihandel und die Bekämpfung von AIDS in Afrika einsetzt. Bono hat dafür zahlreiche Preise, Ehrungen und Auszeichungen bekommen.

Doch das Bild des makellosen Wohltäters trägt spätestens durch die Veröffentlichung der Paradise Papers Risse. Auch er war auf den Listen zu finden, soll ein verzweigtes Firmengeflecht von Briefkastenfirmen haben, über die er in ein Einkaufszentrum in Litauen investiert hat. Das Einkaufszentrum wiederum soll in den zehn Jahren seines Bestehens keinerlei Steuern auf Unternehmensgewinne gezahlt haben.

Dass solche Praktiken gängige Praxis sind, weiß man spätestens seit den Panama Papers. Soweit, so unspektakulär. Der fade Beigeschmack entsteht, weil ausgerechnet er, als vermeintliches Vorbild und moralische Instanz, involviert ist. Dabei war schon zuvor bekannt, dass Bono, während er unermüdlich die Industriestaaten zur Erhöhung der Entwicklungshilfe auffordert, [...]

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