Bild: istock.com/G0d4ather
Konjunktur | 15.12.2017

Die deutsche und europäische Konjunktur im Herbst 2017 – 2

Die europäische Industriekonjunktur entwickelte sich im Oktober verhalten. Einige Länder wie Frankreich verzeichnen einen leichten Auftrieb, ander schwächen sich ab. Eine breite Aufwärtsbewegung gibt es immer noch nicht.

Die Industrieproduktion im Euroraum ist im Oktober nur ganz leicht gestiegen. Angesichts des deutlichen Rückgangs in Deutschland, den wir im ersten Teil kommentiert haben, konnte selbst die kräftige Belebung in Frankreich nicht für eine insgesamt aufwärtsgerichtete Produktion sorgen (Abbildung 1). Frankreich hat jetzt klar das Niveau von 2011 überschritten. In Italien blieb die Entwicklung nach dem Sommer flach, so dass europaweit eine Unterbrechung der Aufwärtsbewegung zu verzeichnen ist.

Abbildung 1

In Südeuropa (Abbildung 2) musste Portugal erneut einen Rückschlag hinnehmen, während es in Spanien weiter leicht aufwärts ging. In Griechenland ist die Erholung schon seit Beginn dieses Jahres ins Stocken geraten.

Abbildung 2

In Österreich und Belgien ging es mit der Produktion des verarbeitenden Gewerbes im Sommer tendenziell aufwärts, wenn auch der September (der letzte vorhandene Monat in diesen Ländern) schwach war (Abbildung 3). Dagegen bleibt die Situation in den Niederlanden düster, weil es im Oktober erneut abwärts ging.

Abbildung 3

In Nordeuropa (Abbildung 4)verlief der Oktober sehr verhalten, was zu dem Bild passt, dass dort nach einem kurzen Aufschwung das Momentum bereits wieder verlorengegangen ist. Dänemark, das lange der Vorreiter dieses Aufschwungs gewesen war, gerät zunehmend in Schwierigkeiten.

Abbildung 4

Im Baltikum ist die Produktion zuletzt nicht mehr so dynamisch gestiegen wie zuvor. Estland verzeichnet schon seit dem Frühjahr eine Stagnation und auch in Litauen geht es nur unter Schwankungen weiter aufwärts (Abbildung 5). Nur in Lettland scheint der relativ stetige Aufschwung auch im Oktober nur wenig unterbrochen zu sein.

Abbildung 5

In den übrigen mittel- und osteuropäischen Staaten ist insgesamt eine Verlangsamung zu beobachten (Abbildung 6). Die Slowakei, wo jahrelang die am kräftigsten expandierende Industrie zu beobachten war, ist offenbar in eine lange Phase der Stagnation eingetreten. Das Niveau der Produktion ist zuletzt nicht viel höher als Mitte 2016. Auchin Tschechien und Ungarn ist die Belebung zum Stillstand gekommen, lediglich in Polen und in Slowenien geht es weiter bergauf.

Abbildung 6

Klar abgehängt sind nun wieder Bulgarien und Rumänien (Abbildung 7). Nach monatelanger Stagnation war auch der Oktober schwach. Nur in Kroatien lief die Produktion  zuletzt besser, allerdings bleibt die Produktion dort auf sehr niedrigem Niveau. Das Land schafft es nicht, die nun schon fast zehn Jahre andauernde Mischung aus Stagnation und Rezession zu überwinden. Wir haben mehrfach über die gewaltigen wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten dort berichtet (hier zuletzt).

Abbildung 7

Auch in den ganz kleinen Ländern ist nicht mehr als Stagnation zu beobachten (Abbildung 8). In Irland ging es zuletzt massiv aufwärts, aber bei den enormen Schwankungen ist das schwer zu kommentieren. Für Malta und Zypern ist im Bereich der industriellen Fertigung offensichtlich nicht mehr viel zu erwarten. Zypern stagniert nach einer leichten Aufwärtsbewegung wieder und Malta verharrt seit Jahren auf der Stelle.

Abbildung 8

Lesen sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickeln und wie man insgesamt die Lage einschließlich der Wirtschaftspolitik beurteilen muss.

Weitere Teile dieser Serie

Anmelden