Theorie | 22.12.2017

Kein Streit um des Kaisers Bart

Eine Replik zum schwelenden Diskurs über die Goldene Lohnregel, individuelle Arbeitszeit und Beschäftigtenzahl.

Obwohl sich die Erwerbslosigkeit in Deutschland seit einiger Zeit im Trend verringert, ist es angesichts des nach wie vor seit Jahrzehnten bestehenden Millionenheers an Arbeitssuchenden verfehlt, von einem „hohen Beschäftigungsstand“ zu sprechen.[1] Als ein Mittel zur Bekämpfung dieses Missstandes wird seit langem und mit schwankender Intensität die Verkürzung der individuellen Arbeitszeit propagiert. Jüngst haben Gewerkschaften diese Forderung wieder in Tarifverhandlungen eingebracht. Damit sollen auch die arbeitssparenden Wirkungen von Produktivitätserhöhungen ausgeglichen, wenn nicht sogar überkompensiert werden.

Es wird allerdings ebenfalls die Ansicht vertreten, dass eine entsprechende Lohnpolitik für sich gesehen schon hinreiche, den Arbeitseinsatz zu stabilisieren. So behaupten Flassbeck und Spieker (2014):

„Die reine Produktivitätssteigerung ist arbeitsplatzneutral, wenn sie denn in den Stundenlöhnen weitergegeben wird.“[2]

Demnach genüge zur Verhinderung eines Stellenabbaus allein schon die Verwirklichung der sogenannten Goldenen Lohnregel, d. h. bei entweder nominaler oder realer Betrachtungsweise wächst das Arbeitsentgelt mit gleicher Rate wie die Produktivität. In mehreren Analysen bin ich diesem Glauben entgegengetreten (zuletzt hier).

An dem gerade zitierten Aufsatz hat ein gewisser Johannes Nägele in E-Mails an mich harsche Kritik geübt, [...]

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