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Kommentar | 05.12.2017 (editiert am 06.12.2017)

Österreichische Gralshüter für Karl Marx

Berichtet wird über die seltsame Neigung von ÖVP und FPÖ, Karl Marxens „ehernes Gesetz“ von der zunehmenden Ungleichverteilung der geschaffenen Werte im Rahmen Österreichs so weit wie irgend möglich zu bestätigen.

Karl Marx war ein hervorragender Ökonom. Er hat viele dem „Kapitalismus“ innewohnende Tendenzen präzise erkannt. Voran die Tendenz zur Kapitalkonzentration: Große Unternehmen verdrängen bzw. fressen kleine und streben Monopole an; ihren wachsenden Gewinnen steht ein schrumpfender Lohnanteil der Werktätigen gegenüber; Vermögen und Produktionsmittel -„Kapital“- konzentriert sich in immer weniger Händen; die daraus resultierende Macht befördert Gesetze, die diese ungleichen Eigentumsverhältnisse maximal absichern.

Ich meine, dass die Gegenwart eine Menge Belege für die Richtigkeit dieser Marx´schen Beobachtungen bereithält.

Marx hatte nur mit einer entscheidenden Behauptung unrecht: Dass diese Entwicklung nämlich einem unabänderlichen, dem Wirtschaftsgeschehen innewohnenden „ehernen Gesetz“ entspreche und zwingend in eine Revolution der Werktätigen und den Sieg des Sozialismus münde.[1] (Leider hat er diesen Sieg des Sozialismus auch noch mit einer gefährlichen Utopie verbunden: dass er nämlich zur paradiesischen „Vergesellschaftung“ der Produktionsmittel führte. Indem er es unterließ, zu präzisieren, was er unter „Vergesellschaftung“ versteht, ermöglichte er Lenin, es als „Verstaatlichung“ auszulegen und damit die kommunistische Misswirtschaft grundzulegen[2].)

Außerhalb der Sowjetunion hat das Erstarken der Gewerkschaften (die Marx primär als bloße Verschönerungsvereine heftig ablehnte) bekanntlich statt zu einer Revolution zur (mehr oder minder)“sozialen Marktwirtschaft“ [...]

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