Bild: Laszlo Riedl/flickr/CC BY-NC-SA 2.0
Kommentar | 01.12.2017 (editiert am 06.12.2017)

Schönes Neues Deutschland

Die einen wollen die globale Freiheit des Kapitals, die anderen die Befreiung der „subalternen Fraktionen der Weltarbeiterklasse“. Was sie eint? Mehr als man denkt.

Je mehr ich die Menschheit im Allgemeinen liebe, desto weniger liebe ich den Menschen als einzelnen (…).“ – Fjodor M. Dostojewskij, Die Brüder Karamasow

Beide sehnen nichts weniger als die Weltrevolution herbei, die die alten verkrusteten Strukturen des Nationalstaates hinwegfegt. Darunter geht es nicht. Damit sind sich Kapitalisten, allen voran die Protagonisten des Silicon Valley, und theoretisch entrückte „Gefühlslinke“ näher, als sie meinen.

Beide Teile der unbewussten Allianz haben unterschiedliche Motive zwar, doch es ist der gleiche Wahnsinn, der sie antreibt. „Hyper“ ist das Zauberwort der Stunde – Hyperindividualismus, Hyperliberalismus, Hyperglobalisierung. Sie begraben alles unter sich. Geschichte, Tradition, Identität, Besinnung. „Alles Ständische, alles Althergebrachte, alles Verknöcherte und Verkrustete verdampft“, hatte Marx schon im „Kommunistischen Manifest“ kaum noch heimlich gejubelt.

Bei der Erledigung des keynesianischen Wohlfahrtstaates hatte man sich schon einmal die Bälle zugespielt. Doch während mit dem Neoliberalismus die Klasse des Kapitals triumphierte, blieb die marxistische Linke zweiter Sieger und verschwand in der Bedeutungslosigkeit.

Nach gut zwei Dekaden im Dunkel schnuppert diese Linke – als hätte sie nichts gelernt – im Windschatten des rasenden Siegers wieder Morgenluft. [...]

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