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Theorie | 01.12.2017 (editiert am 06.12.2017)

Warum Grüne den Neoliberalismus lieben und gesamtwirtschaftliches Denken hassen

Es gibt eine merkwürdige Kontroverse zwischen progressiven Ökonomen und progressiven Umweltschützern. Letztere fürchten Erstere, weil sie glauben, die seien einem Wachstumswahn verfallen. Doch im Schoße des Neoliberalismus kann man die ökologischen Probleme bestimmt nicht lösen.

Immer wieder erlebe ich es bei Vorträgen, dass einige Zuhörer regelrecht schockiert sind, wenn ich sage, der Staat müsse Wachstum oder wenigstens doch eine ausreichende wirtschaftliche Dynamik schaffen, damit neue Arbeitsplätze entstehen und die bestehende Arbeitslosigkeit reduziert oder gar beseitigt werden kann. Das könne doch nicht sein, wird dann von umweltbewussten Menschen eingeworfen. In den heutigen Zeiten mit Umweltverschmutzung und Klimaveränderung könne man doch in den reichen Gesellschaften nicht einfach weiter auf Wachstum setzen und unverantwortlichen Wachstumszielen hinterherlaufen. Wenn man schon die Wirtschaft nicht einhegen könne, müsse sich wenigstens der Staat zurückhalten und auf wachstumsfördernde Politik vollständig verzichten.

Ich muss dann mühsam erklären, dass es einfach keinen anderen Weg gibt, eine einmal durch extreme Wachstumsschwäche oder eine Rezession entstandene Arbeitslosigkeit zu reduzieren, als die Kapazitäten der Unternehmen (und des Staates natürlich) durch mehr Nachfrage so auszulasten, dass sie wieder einen Anreiz haben, Arbeitskräfte einzustellen. Und man könne die Arbeitslosen von heute ja nicht einfach im Regen stehen lassen, weil die Gesellschaft nach der Rezession, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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