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Interview | 08.01.2018 (editiert am 09.01.2018)

Das Ende der Deutschland AG

Interview mit Sebastian Müller über den wirtschaftspolitischen Wandel in der Bundesrepublik und das „Ende der sogenannten Deutschland AG“.

Die 1970er Jahre werden in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland als Jahre einer umfassenden gesellschaftlichen Transformation verstanden. Der Wandel Westdeutschlands umfasste zum einen sowohl die Strukturen des Staates als auch sein Selbstverständnis als Gestalter und Lenker politischer Prozesse. Zum anderen änderten sich auch die Koordinaten bzw. Wertvorstellungen in Kultur und Gesellschaft. Der Historiker Sebastian Müller nimmt in seinem aktuellen Buch einen dritten Aspekt in den Blickpunkt, ohne dabei die beiden anderen zu vernachlässigen: den wirtschaftspolitischen Wandel in der Bundesrepublik. Seiner These nach ist in den 1970er Jahren das Zeitalter des sogenannten Neoliberalismus angebrochen. Wie das genau zu verstehen ist, dazu hat ihm die Redaktion der Gerda Henkel Stiftung ihre Fragen gestellt.

„Eine nahezu konkurrenzlose Erzählung“

Herr Müller, Sie haben ein Buch mit dem Titel „Der Anbruch des Neoliberalismus“ geschrieben. Bevor wir auf Einzelheiten eingehen, welche Vorüberlegungen haben Sie zu dieser Untersuchung geführt? Was war Ihre leitende Fragestellung?

Müller: Die Überlegungen, besser gesagt ein neuer Denkprozess, begannen für mich im Zuge der Agenda 2010-Reformen.

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