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Konjunktur | 16.01.2018 (editiert am 19.01.2018)

Deutsche und europäische Konjunktur im Spätherbst 2017 – 2

Die Industrieproduktion in der EWU ist auch im November 2017 gestiegen und hat damit die konjunkturelle Belebung bestätigt. Was im Lichte der Pressemeldungen wie ein rauschender Aufschwung aussieht, ist allerdings immer noch ein sehr zartes Pflänzchen.

Wir haben in der Abbildung 1 einmal die Entwicklung der Industrieproduktion in der EWU ohne Deutschland und in Großbritannien aufgezeichnet und es zeigt sich, dass ohne Deutschland gerechnet die Entwicklung in der EWU noch sehr schwach ist. Das Niveau der Produktion hat Ende 2017 gerade einmal das Niveau von 2011 überschritten.

Das gilt erstaunlicherweise auch für Großbritannien, das ja nicht den Zwängen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes unterlag, sich aber völlig gleichförmig entlang der EWU (ohne Deutschland) Kurve entwickelte. Die britischen Regierungen in diesem Zeitraum pflegten aber die gleichen Vorurteile wie sie in Brüssel herrschten und deswegen muss dieses Ergebnis nicht verwundern.

Abbildung 1

Die Abbildung 2 zeigt, dass Italien sogar noch deutlich unter dem Niveau von 2011 liegt und Frankreich nur unwesentlich darüber. Aber selbst für Deutschland ist das, was seit 2011 passiert ist, eine extrem schwache Aufwärtsbewegung, die erst seit Beginn des vergangenen Jahres an Schwung gewonnen hat.

Abbildung 2

Auch in Südeuropa hat sich seit Anfang 2017 eine Belebung durchgesetzt, wenngleich es immer noch große Schwankungen und damit erhebliche Unsicherheiten gibt (Abbildung 3). Spanien erreicht jetzt immerhin das Niveau von 2010 und 2011 und Griechenland hat die tiefste Talsohle hinter sich gelassen.

Abbildung 3

Österreich und Belgien sind von dem europäischen Aufschwung mitgezogen worden, nur die Niederlande finden keinen Weg aus der Dauerrezession in der Industrie (Abbildung 4).

Abbildung 4

In Nordeuropa verzeichnet Schweden jetzt auch einen deutlichen Aufschwung in der Industrie, während Dänemark sein hohes Niveau nicht halten kann (Abbildung 5). Auch Finnland und Norwegen sind weiterhin schwach in diesem Bereich.

Abbildung 5

Im Baltikum ist der Aufschwung auch zuletzt in allen drei Ländern intakt, auch wenn Estland seit ein paar Monaten nicht recht vom Fleck kommt (Abbildung 6). Diese Länder blicken immerhin auf eine, wenn zeitweise auch schwache, Belebung seit 2011 zurück.

Abbildung 6

In anderen ost- und mitteleuropäischen Ländern geht es ebenfalls wieder durchgängig aufwärts, das gilt auch für die Slowakei, wo es bis zum vergangenen Sommer temporär nicht so gut ausgesehen hatte (Abbildung 7). Alle übrigen profitieren von dem europäischen Aufschwung, ob sie Teil der Eurozone sind, wie Slowenien, oder nicht.

Abbildung 7

Das gilt auch für Rumänien, wo sich nach einer mehrmonatigen Pause im November die Produktion wieder belebte (Abbildung 8). Es gilt allerdings überhaupt nicht für Bulgarien und Kroatien, die nun schon fast ein Jahr abgehängt sind.

Abbildung 8

In den allerkleinsten Länder ist ebenfalls von einem Aufschwung nichts zu spüren (Abbildung 9). Malta, Zypern und auch Irland stagnieren.

Abbildung 9

Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und welche wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen zu ziehen sind.

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