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Konjunktur | 19.01.2018 (editiert am 26.01.2018)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätherbst 2017 – 3

Die europäische Konjunktur außerhalb der Industrie bleibt schwach. Eine Belebung in der Bauwirtschaft ist nicht in Sicht. Für die Wirtschaftspolitik gibt es keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen.

Die Bauproduktion hat sich auch im November nicht vom Fleck bewegt. Hätte es den statistisch bedingten Anstieg vor einem Jahr in Deutschland nicht gegeben, läge das Niveau noch immer auf dem extrem tiefen Wert von 2014 (Abbildung 1). Weder in Frankreich noch in Deutschland ist eine Belebung zu erkennen.

Abbildung 1

Auch in Südeuropa tut sich absolut nichts (Abbildung 2). Italien und Portugal verharren auf dem niedrigsten Niveau, auf das sie nach der Rezession gefallen sind, Spanien stagniert ebenfalls.

Abbildung 2

In Ost- und Mitteleuropa verzeichnet Ungarn weiterhin einen starken Aufschwung und auch in Polen ist eine Belebung zu erkennen, aber in Tschechien und Bulgarien ist die minimale Aufwärtsbewegung zum Stillstand gekommen (Abbildung 3).

Abbildung 3

In Nordeuropa ist am Bau weiterhin Aufschwung angesagt (Abbildung 4) und auch die Niederlande haben inzwischen das Niveau von 2009 erreicht. Auch in Österreich gibt es eine Belebung, während Belgien stagniert.

Abbildung 4

Der Einzelhandelsumsatz in der EWU ist im November weiter gestiegen, auch wenn das wichtigste Land, Frankreich, schwächelt (Abbildung 5). Im November stieg der Umsatz der Einzelhändler auch in Deutschland wieder einmal kräftig an, nachdem vorher einige Monate keine Belebung zu erkennen gewesen war. In Italien bleibt die Lage sehr schlecht, offenbar haben die Menschen keine Hoffnung, dass sich ihre Einkommenssituation in absehbarer Zeit verbessert.

Abbildung 5

In Südeuropa gibt es nur für Portugal ganz schwache Zeichen einer Besserung (Abbildung 6). Auch in Griechenland und Spanien gibt die miserable Lage des Einzelhandels klare Auskunft über die Zukunftsaussichten der Masse der Bürger.

Abbildung 6

Bei der Arbeitslosigkeit hat es im Herbst leichte Fortschritte in Frankreich gegeben, während die Lage in Italien, wo in wenigen Wochen ein neues Parlament gewählt wird, deprimierend ist (Abbildung 7). In Deutschland, wir hatten im ersten Teil darauf hingewiesen, hat sich der Abbau der Arbeitslosigkeit zum Jahresende beschleunigt.

Abbildung 7

Bei der Preisentwicklung gab es im Spätherbst keine großen Veränderungen. Die Preissteigerungsraten auf der Verbraucherstufe liegen in den meisten Ländern weiter klar unter der Zielmarke von 1,9 Prozent. Für die EWU insgesamt waren es im November 1,4 Prozent.

Abbildung 8

Die Entwicklung der Erzeugerpreise im Herbst gibt keine Hinweise darauf, dass sich in näherer Zukunft eine grundlegende Änderung ergeben könnte (Abbildung 9). Wie wir an anderer Stelle gezeigt haben (hier), liegt das eindeutig an der gedämpften Lohnentwicklung.

Abbildung 9

Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen

Alle reden vom europäischen Aufschwung. Doch für die meisten ist das gleichbedeutend mit der Aussage, man müsse jetzt ja wirtschaftspolitisch nichts mehr tun. Doch genau diese Schlussfolgerung ist vollkommen falsch. Angesichts der Schwäche der europäischen Erholung wäre es dringend geboten, die Belebung mit einer Zunahme der öffentlichen Nachfrage zu unterstützen.

Wie der Europäische Rat in einem Entschließungsentwurf für die Eurogruppe zu Recht feststellt (wir gehen darauf noch einmal nächste Woche ein), muss es dabei darum gehen, dass die Überschussländer (also vorneweg Deutschland) mehr in Sachen fiskalische Stimulierung tun als die Defizitländer. Auch in dieser Hinsicht sind die Ergebnisse der Sondierung zwischen den potentiellen Großkoalitionären in Deutschland extrem enttäuschend. Deutschlands besondere Verantwortung kommt in dem Papier nicht vor und die schwarze Null wird wie selbstverständlich als Ziel bestätigt. Die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands werden nicht einmal erwähnt, obwohl sie es sind, die einer wirklichen Verbesserung der Lage in Europa im Wege stehen.

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