Editorial | 08.01.2018

Zum Jahreswechsel: Den politischen Wechsel wagen

Das deutsche politische Establishment gefällt sich auch zum Jahreswechsel in Selbstgerechtigkeit und zeigt damit, dass es ausgedient hat. Das Mindeste, was das Volk nun fordern sollte, ist die strikte zeitliche Begrenzung der politischen Mandate.

Ich weiß nicht, ob Sie, liebe Leser, sich die Ansprachen des Bundespräsidenten (hier nachzulesen) und der Bundeskanzlerin (hier) zum Jahreswechsel angesehen haben. Nein, werden viele sagen, das tue ich mir doch nicht an. In diesem Jahr war es aber nicht einmal besonders schwer, weil beide Reden so kurz und so inhaltsleer waren, dass man sie auch bei den Vorbereitungen auf die Feste mitlaufen lassen konnte, ohne etwas zu versäumen und ohne sich wirklich zu ärgern.

Und genau das sagt mehr als alles andere über den Zustand unseres politischen und gesellschaftlichen Systems. Wir haben die Zeit inhaltlicher Auseinandersetzungen überwunden und sind in ein Stadium vollkommener Inhaltsleere getreten. Man kann sich gut vorstellen, wie sich die Redenschreiber der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten gefragt haben, welches Thema sie ansprechen könnten, das nicht mit politischen Tabus belegt ist oder auf die eine oder andere Weise die kommenden Koalitionsverhandlungen belastet. Und die Antwort war: Gar keines! Also sind sie ins Klein-Klein geflüchtet, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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