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Konjunktur | 16.02.2018 (editiert am 22.02.2018)

Die europäische und deutsche Konjunktur zum Jahresende 2017 – 2

Die Aufwärtsbewegung in der Industrie in Europa hat sich auch im Dezember fortgesetzt. In den meisten Ländern ist die Entwicklung stabil nach oben gerichtet. Die große Unbekannte ist allerdings der Kurs des Euro, der zuletzt kräftig aufgewertet hat.

Obwohl die Industrieproduktion in Deutschland im Dezember leicht sank, ging es für die EWU insgesamt weiter aufwärts (Abbildung 1). Frankreich und Italien verzeichnen Aufwärtsbewegungen, die nun doch relativ stabil aussehen. Allerdings ist das Niveau insbesondere in Italien immer noch sehr niedrig.

Abbildung 1

Betrachtet man die EWU ohne Deutschland (Abbildung 2), kann man jetzt von einem Aufschwung reden, obwohl immer noch unklar ist, ob die Entwicklung wirklich stabil sein wird, weil vieles vermutlich am Eurokurs hängt, der bis zuletzt weiter aufgewertet hat. Der reale Wechselkurs des Euro (also die Wettbewerbsfähigkeit, gemessen gegenüber einer großen Gruppe von Ländern, vgl. z. b. hier) ist seit Mitte vergangenen Jahres doch um einige Prozent gestiegen.

Abbildung 2

Auch in Südeuropa steigt die Industrieproduktion, insbesondere Spanien scheint nun die lange Stagnationsphase überwunden zu haben (Abbildung 3), während Portugal und Griechenland nur langsam vorankommen.

Abbildung 3

Auch in Österreich und Belgien setzt sich der Aufschwung fort und er hat inzwischen auch die Niederlande erfasst, wenngleich das Niveau der Produktion dort noch immer niedrig ist (Abbildung 4).

Abbildung 4

In den nordeuropäischen Ländern hat sich die Entwicklung in Dänemark doch deutlich abgeschwächt, während Schweden enorm expandiert (Abbildung 5). Auch Finnland, das lange nicht vom Fleck gekommen war, zeigt jetzt Belebungstendenzen. Norwegen aber fällt zurück.

Abbildung 5

Im Baltikum ging es auch gegen Jahresende weiter nach oben (Abbildung 6). In diesen Ländern wie auch in einigen anderen Ländern Mittel- und Osteuropas steigen seit einiger Zeit die Löhne wieder sehr stark, was zusätzlich zum Export die Binnennachfrage belebt. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass die Leistungsbilanzdefizite wieder erheblich zunehmen, weil die Lohnsteigerungen weit über die Produktivitätszuwächse hinausgehen.

Abbildung 6

In den übrigen Staaten Mittel- und Osteuropas ist die Aufwärtsbewegung weitgehend ungebrochen, wenngleich die Slowakei, die lange Zeit der konjunkturelle Vorreiter war, nun klare Schwächezeichen erkennen lässt (Abbildung 7). Polen und Slowenien können offenbar von dem europäischen Aufschwung der Industrie profitieren, Tschechien und Ungarn dagegen sehr viel weniger.

Abbildung 7

Eine klare Divergenz gibt es auch zwischen Rumänien auf der einen und Bulgarien sowie Kroatien auf der anderen Seite (Abbildung 8). Die rumänische Industrie ist in vollem Maße am europäischen Aufschwung beteiligt, die bulgarische und die kroatische nicht.

Abbildung 8

Auch in den kleinsten Ländern ist eine leichte Aufwärtsbewegung spürbar, wenngleich ein Land wie Maltas nur über eine extrem kleine Industrie verfügt (Abbildung 9). Irland, das eigentlich wegen seiner internationalen Unternehmensverflechtung ein guter Indikator für europäische Vorgänge sein sollte, hat bisher an der europäischen Aufwärtsentwicklung noch nicht partizipiert.

Abbildung 9

Lesen sie im dritten Teil, wie sich die Indikatoren außerhalb der Industrie entwickeln und ob der industrielle Aufschwung Anlass für die Wirtschaftspolitik ist, nichts zu tun.

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