Bild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - Goethe in der römischen Campagna
Länder | 23.02.2018 (editiert am 02.03.2018)

Die Wahlverwandschaften: Eine italienische Tragödie

Italien ist nur schwer zu verstehen. Umso rätselhafter wirkt vieles, wenn am 4. März Abgeordnetenkammer und Senat neu gewählt werden. Dann hat das Land die Gelegenheit, sich selbst zu übertreffen.

Die Eigenarten der bevorstehenden Wahlen in Italien lassen sich am besten durch eine Analogie beschreiben: Goethes “Gesetz“ der Wahlverwandtschaften, das er ins Zentrum seines berühmten, gleichnamigen Spätwerkes setzte. In chemischen Prozessen gehen manchmal Stoffe, die eigentlich eine feste Verbindung gebildet hatten, auseinander, wenn sie mit fremden und bis dahin ebenso stabilen Verbindungen in Berührung kommen. Das kann, so Goethe, auch bei Menschen geschehen.

Oder bei Parteien. Jeder Stoff „befreit“ sich von seiner ursprünglichen Verbindung und sucht sich seinen richtigen „Geistes– und Seelenverwandten“. Goethe würde sagen, „(…) die Verwandtschaften werden erst interessant, wenn sie Scheidung bewirken“.

Solch eine Konstellation mit dem Potenzial einer Tragödie ergibt sich in Italien dank dem Zusammentreffen von zwei Faktoren: einer sehr negativen sozioökonomischen Entwicklung und einem besonderen Wahlsystem.

Das neue Wahlgesetz: Eine Rechnung ohne den Wirt

Im November 2017 wurde mit den Stimmen der Partito Democratico (PD), Lega Nord (LN) und Silvio Berlusconis Forza Italia (FI) ein neues Wahlsystem für beide Parlamentskammern verabschiedet. [...]

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