Theorie | 16.02.2018 (editiert am 22.02.2018)

Wie schreibt man „sozial“ in Europa?

In den Augen Euckens und anderer „Ordoliberaler“ war die Soziale Marktwirtschaft mit großem „S“ ein bedauerlicher Betriebsunfall. Doch mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft eröffnete sich eine neue Spielwiese für den deutschen Ordoliberalismus.

Wer im Internet auf einschlägigen Seiten recherchiert, stellt fest, dass Walter Eucken, Übervater des deutschen Ordoliberalismus, oft und gerne als Mitgründer der „sozialen“ Markwirtschaft bezeichnet wird. Das kleingeschriebene „sozial“ findet sich – orthographisch korrekt – auch in Artikel 3 Abs. 3 des EU-Vertrags, wo es heißt:

„Die Union wirkt auf die nachhaltige Entwicklung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums und von Preisstabilität, eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie ein hohes Maß an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualität hin.“

Die andere Schreibweise des Begriffs lautet bekanntlich „Soziale Marktwirtschaft“ und bildet das Markenzeichen des rheinischen Kapitalismus, der das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik bis Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts prägte.

In den Augen Euckens und anderer „Ordoliberaler“ – zu denen auch der Wirtschaftsminister der Regierung Adenauer und spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard gehörte – handelte es sich bei der Sozialen Marktwirtschaft mit großem „S“ um einen bedauerlichen Betriebsunfall, den sie vergeblich versuchten zu verhindern. [...]

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