Bild: Stephan Baumann - [1], CC BY-SA 3.0, Link
Kommentar | 27.03.2018

Ein Armutsbericht

Dass Jens Spahn auf seine Hartz IV-Relativierungen Widerworte erntete, ist ein erfreulicher Umstand. Dass die Debatte scheinbar nur geführt wird, um dem Gesundheitsminister ein schlechtes moralisches Zeugnis auszustellen: ein Problem. Bei Armut geht es ums Fressen – nicht um Moral.

Jens Spahn, mittlerweile kein designierter sondern schon gemachter Gesundheitsminister, ist in aller Munde. Seine Einschätzung zu Hartz IV und den Tafeln sorgt für Empörung. Wie kann ein Mann seiner sozialen und beruflichen Herkunft so arrogant über Armut im Lande befinden, fragen sich viele.

In der Tat muss man sich fragen, wie einer, der jetzt erstmals einen wichtigen Posten bekleidet, gleich so einen überheblichen Einstand geben kann. Spahn bekommt ordentlich Gegenwind. Und ehe man sich versieht, hat man eine ganz andere Debatte als die, die eigentlich notwendig wäre: Wir sprechen von der moralischen Verfehlung des Jungpolitikers, von seiner Amoralität generell – aber nicht so sehr von der Armut.

Die degradiert man gewissermaßen nur zum Aufhänger. Was sie aber bedeutet, wie sie sich anfühlt, wo man als Armer ganz besonders ins Straucheln kommt: Fehlanzeige. Spahn ist als Armenverächter das Thema. Und indem man das Gewicht der Debatte auf die ethische Dimension seines Auftritts legte, verachtet man die Armen gleich nochmals. [...]

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