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Finanzsystem | 13.03.2018 (editiert am 14.03.2018)

Von Schulden und Ersparnis

Schulden gelten meist als ärgerliche Verfehlung und Ausdruck von Misswirtschaft. Faktisch wird damit argumentiert, dass Ausgaben nur bei positiven Kontoständen getätigt werden sollten. Ein folgenreicher Irrtum.

Es ist ein Irrtum, gegen den die Modern Monetary Theory (MMT) schon lange argumentiert. Dagegen weist sie darauf hin, dass es ohne Schulden keine Ersparnisse geben kann. Ein Leser fragt nun, ob denn die Aussage nicht den weiteren Thesen der MMT widerspricht, dass Spareinlagen bei einer Bank nicht zur Kreditvergabe verwendet werden. Und ist es nicht richtig, dass Investitionen auch ganz ohne Schulden, nämlich durch Rücklagen aus der Vergangenheit finanziert werden können?

Einkommen und Ausgaben

Generell gilt für eine Geldwirtschaft, dass die Summe aller Ausgaben der Summe aller Einnahmen entspricht. Dies fordert die Logik, denn jeder Auszahlung korrespondiert eine entsprechende Einzahlung in gleicher Höhe. Die Kausalität ist ebenfalls recht klar. Jede Auszahlung führt zu einer Einzahlung, aber nicht jede Einzahlung zu einer Auszahlung. Diesen letzteren Fall nennen wir Ersparnis. Die Einnahmen sind höher als die Ausgaben. Ein Wirtschaftssubjekt oder eine Gruppe von Wirtschaftssubjekten hat also einen Einnahmeüberschuss erzielt.

Logischerweise muss mein Einnahmeüberschuss mit einem Ausgabeüberschuss (mindestens) eines anderen einhergehen. In der Literatur nennt man nun die Einnahmeüberschüsse Ersparnis und die Ausgabeüberschüsse Schulden. Folgt man diesem Sprachgebrauch, dann gilt natürlich, dass die Summe aller Ersparnisse gleich der Summe alle Schulden sein muss.

Im aktuellen Geldsystem erzeugen meist Kredite und andere formale Schulden Giroguthaben, welche dann zur Finanzierung der Investitionsausgaben genutzt werden. Durch den Kredit werden also „neue Bankeinlagen“ geschaffen, aber keine neuen Ersparnisse.

Erst wenn die durch die zusätzliche Verschuldung erzeugten Bankeinlagen ausgegeben werden, kann es zu einer Ersparnis kommen. Und zwar dann, wenn der Empfänger der Zahlung das Geld selbst nicht wiederum zu Einkäufen verwendet. Ersparnis entsteht also bei einem Empfänger von Bankeinlagen, die er selbst nicht wieder ausgibt. Ohne Ausgaben eines anderen kann man also nicht sparen. Wenn man so will, ist Ersparnis ( also ein Einnahmenüberschuss) der buchhalterische Schatten der Investition (Ausgabenüberschuss).

Ersparnis und Vermögen

Dabei ist irrelevant, wann und wie die Bankeinlagen erzeugt worden sind. Etwa kann der Staat sein Vermögen aus der Vergangenheit zur Finanzierung seiner Ausgaben heranziehen. Dabei handelt es sich übrigens nicht um die Verwendung einer Ersparnis, denn Ersparnis wird definiert als Einnahmenüberschuss innerhalb einer Periode. Die Ersparnis akkumuliert sich Periode für Periode zum Vermögen.

Wenn also z.B. der vermögende Staat mehr ausgibt, als er einnimmt, dann sorgt er dafür, dass jemand anders sparen kann. Dabei reduziert sich sein Vermögen bzw. erhöht sich seine Verschuldung – nämlich dann, wenn sein Vermögen aufgebraucht ist.

Leider ist die begriffliche Schärfe des Begriffs der „Schulden“ in diesem Kontext nicht ausreichend für eine klare Diskussion der Materie. Präziser sind die Begriffe „Einnahmenüberschuss“ und „Ausgabenüberschuss“, aber diese klingen furchtbar technisch und müssen erst erklärt werden. Bei Schulden weiß jeder sofort, was gemeint ist.

Ohne Schulden kein Geld und kein Vermögen

Schulden werden meist als negativ erachtet. Faktisch wird damit argumentiert, dass Ausgaben nur bei positiven Kontoständen getätigt werden sollten.

Ein in diesem Sinne schuldenfreies Geldsystem kann es aber nicht geben. Denn am Anfang steht das Nichts – niemand hat Geld und damit kommt der erste Kauf nicht zustande. Daher müssen in einem modernen Geldsystem einige Wirtschaftssubjekte in der Lage sein, zumindest für eine gewisse Dauer Ausgabenüberschüsse zu erzielen. Genau dazu gibt es Kredite, Kreditlinien, Überziehungskredite, Wertpapiere, etc. als Finanzierungsinstrumente für den Fall, dass die Einnahmen nicht ausreichen.

Für Haushalte und Unternehmen schaffen die Banken die benötigten Bankeinlagen durch Kreditvergabe und andere Formen der Verschuldung.

Um an den Staat Kredite zu vergeben, leihen sich die Banken Zentralbankgeld und verleihen es an den Staat weiter. Dabei sind Bankeinlagen Versprechen auf Bargeld, während hingegen das von der Zentralbank emittierte und vom Staat in Umlauf gebrachte Staatsgeld oder Zentralbankgeld (Reserven) das einzige ist, womit sich Steuern zahlen lassen.

Sofern die Zentralbank mitspielt, kann also der Staat die Schuldnerposition als Äquivalent zu der Sparerposition der Haushalte und Unternehmen übernehmen. Staatliche Schulden sorgen dann eins zu eins für eine Erhöhung der privaten Ersparnis und damit der privaten Vermögen.

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