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Linke Strategiedebatte | 27.04.2018 (editiert am 02.05.2018)

Warum die Linke den Brexit begrüßen sollte

Seine Gegner malen den Brexit als wirtschaftliche Apokalypse, die nur den Rechten nutze. Tatsächlich stellt er für die britische Linke eine einmalige Gelegenheit dar: den radikalen Bruch mit dem Neoliberalismus und den Institutionen, die ihn unterstützen.

Nichts veranschaulicht das, was mit dem europäischen Mainstream schief läuft besser, als dessen Haltung zum Brexit. Ein kürzlich auf Makroskop veröffentlichter Artikel von Will Denayer, einem ehemaligen Forscher am University College Cork, liefert dafür ein perfektes Beispiel.

Um seinen Anti-Brexit-Standpunkt zu fundieren, bedient sich Denayer praktisch jedem Mythos aus dem Schauerkabinett: Demnach würde der Rückzug aus der Europäischen Union (EU) eine wirtschaftliche Katastrophe für das Vereinigte Königreich sein; Zehntausende von Arbeitsplätzen würden verloren gehen; die Menschenrechte in „erheblicher Weise“ beschnitten; „Grundsätze fairer Gerichtsverfahren, freier Meinungsäußerung und menschenwürdiger Arbeitsnormen […] somit alle in Frage gestellt“.

Offenbar muss der Brexit Großbritannien in eine quasi-faschistische Dystopie verwandeln, in einen gescheiterten Staat – oder schlimmer noch, einen internationalen Paria –, der von der zivilisierten Welt abgeschnitten ist. Dementsprechend kritisiert Denayer Corbyn’s bisher mehrdeutige Brexit-Strategie und fordert ihn mitsamt der Labour Party auf, eine radikale Pro-Remain-Position einzunehmen.

Warum eine solche Ansicht – die leider von den meisten sogenannten Progressiven in ganz Europa geteilt wird – völlig unbegründet (und schädlich für die linke Sache) ist, [...]

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