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Kommentar | 08.05.2018 (editiert am 09.05.2018)

Wo ist die Kraft der Gewerkschaften?

Wenn Gewerkschaftsfunktionäre sich nicht in der Lage sehen, ihren Mitgliedern komplizierte Sachverhalte in der Tarifpolitik zu vermitteln, dann muss das nicht unbedingt an den Mitgliedern liegen.

Der anbiedernde Umgang des Europäischen Gewerkschaftsbundes mit der Lissabon-Strategie (Wettbewerbsfähigkeit für Europa) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit der GroKo (Das Reich des kleineren Übels) sind zwei Beispiele dafür, dass Gewerkschaftsfunktionäre womöglich ein vergleichbares Problem wie Parteifunktionäre haben. Sie verweigern den eigenen theoretischen Erkenntnissen (soweit vorhanden) den Praxistest zugunsten selbst konstruierter Sachzwänge. Das mindert leider nur oberflächlich das Risiko, bei Ungereimtheiten erwischt zu werden – in Theorie und Praxis.

An dieser Stelle sei an den Revisionismusstreit mit dem USPD-Mitglied Eduard Bernstein im Zentrum der Sozialdemokratie vor ca. 100 Jahren erinnert, der als „SPD-Abweichler“ den Kriegskrediten im Reichstag nicht zugestimmt hatte. Die SPD wurde unter Willy Brandt dann doch noch – leider nur zeitlich befristet – eine Friedenspartei.

Wir können also nur hoffen, dass die Gewerkschaften von heute in ihrem Selbstverständnis mehr sind als nur der Transmissionsriemen im jeweils herrschenden Mainstream. Aktuell werden sie gesellschaftspolitisch weder wahr- noch ernst genommen. Das kann böse ins Auge gehen.

Nach 1989 haben wir den Gewerkschaften im ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion über einen gewissen Zeitraum die direkte Zusammenarbeit verweigert, [...]

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