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Konjunktur | 18.06.2018

Die deutsche und europäische Konjunktur im zweiten Quartal des Jahres 2018 – 2

Der Abschwung in Europa gewinnt eindeutig an Breite. In fast allen Ländern ist er nun klar erkennbar und müsste spätestens jetzt eine wirtschaftspolitische Reaktion nach sich ziehen.

Die europäische Industrieproduktion ist im April gesunken. Das gilt sowohl für die gesamte EWU (Abbildung 1) wie für die EWU ohne Deutschland (Abbildung 2). In Frankreich und in Italien war der Output im verarbeitenden Gewerbe rückläufig. Damit bestätigt sich das Bild einer sich deutlich abschwächenden europäischen Konjunktur, das anhand der deutschen Frühindikatoren schon vor einer Weile zu erwarten gewesen war.

Abbildung 1

Auch in Großbritannien hat sich die Industrieproduktion verlangsamt, was als ein Anzeichen dafür zu werten ist, dass es neben der höheren Bewertung des Euro womöglich auch noch außereuropäische Gründe für die gesamteuropäische Abschwächung gibt. Insgesamt bleibt für Europa das Bild einer sehr schwachen Erholung in den beiden vergangenen Jahren, die nun schon wieder zu Ende ist. Die EWU insgesamt ist damit nicht einmal spürbar über das Niveau von 2011 hinausgekommen – ein wirkliches Debakel.

Abbildung 2

Auch in Südeuropa macht sich die konjunkturelle Abschwächung bemerkbar (Abbildung 3). In allen drei hier gezeigten Ländern ging die Produktion im April zurück und bestätigt damit eine Abschwächungstendenz, die schon in den letzten Monaten erkennbar gewesen war.

Abbildung 3

Das gleiche gilt für die drei nördlichen kleinen Länder von Abbildung 4. Einen schweren Rückschlag mussten die Niederlande im April hinnehmen, die sich kaum von der extrem langen Industrierezession erholt hatten. Das Niveau der Produktion liegt dort nun wieder nahe beim Tief der Jahre 2015 und 2016. Auch in Belgien geht es ziemlich klar bergab, während in Österreich die Produktion lediglich stagniert.

Abbildung 4

Wie im Süden, so ist auch im Norden der Aufschwung eindeutig zu Ende (Abbildung 5). In allen hier gezeigten Ländern gibt es lediglich Stagnation, wenn man die letzten Monate betrachtet. Auch für Finnland, das eine besonders lange Rezession zu verzeichnen hatte, ist zu erwarten, dass es über das Niveau von 2011 nicht wesentlich hinauskommt.

Abbildung 5

In den baltischen Staaten sind die Unterschiede gewaltig (Abbildung 6). Während Estland bis März immer noch Aufwärtsbewegung meldete, ist die Industrieproduktion in Litauen dramatisch eingebrochen. Auch in Lettland ist nun schon einige Monate Stagnation zu verzeichnen.

Abbildung 6

Auch im übrigen Mittel- und Osteuropa sind die Folgen der Konjunkturschwäche mehr oder weniger deutlich zu erkennen (Abbildungen 7 und 8). Auch Slowenien hat sich jetzt abgeschwächt und im übrigen geht es nur in Polen noch ganz leicht aufwärts.

Abbildung 7

Rumänien hatte zuletzt wieder eine Aufwärtsbewegung zu verzeichnen, aber Kroatien und Bulgarien bewegen sich eindeutig in Richtung Industrierezession.

Abbildung 8

Betrachtet man einmal ganz kleine Länder (Abbildung 9), so zeigt sich, dass es in Zypern immerhin seit 2015 gelungen ist, an der europäischen Aufwärtsbewegung teilzuhaben, während Malta offensichtlich abgehängt ist und sich von der Rezession 2008 und 2009 nie erholt hat.

Abbildung 9

Lesen sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum die europäische Wirtschaftspolitik versagt.

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