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Theorie | 06.07.2018 (editiert am 13.07.2018)

Wo Spielarten des Kapitalismus als Erklärung versagen

Die Literatur zu den verschiedenen Spielarten des Kapitalismus innerhalb der Eurozone sieht die Hauptursache der Krise in der Unvereinbarkeit verschiedener Wirtschaftsmodelle in einer Währungsunion. An einem Phänomen scheitert die Theorie aber fundamental.

Das Argument, dass verschiedene Spielarten des Kapitalismus (Varieties of Capitalism, VoC) als Ursache der Eurokrise auszumachen sind, ist in der Literatur und mittlerweile auch in der öffentlichen Diskussion weit verbreitet. Eine dabei häufig auftauchende These besagt, dass das Hauptproblem in den vollkommen unterschiedlichen Wachstumsmodellen des Nordens und des Südens liegt. Erstere könnten leicht durch ihre korporativen Strukturen eine ihrem exportorientierten Wachstumsmodell angepasste Lohnmoderation durchsetzen, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften erhöht, während Letztere durch ihre dezentralisierte und unkoordinierte Lohnfindung nicht mithalten können.

Durch übermäßige Lohnsteigerungen – vor allem im öffentlichen Sektor – und Finanzialisierung hätten die sich kumulierenden Ungleichgewichte für eine Zeit lang verschleiert werden können. Doch auf lange Sicht wären die Verhältnisse nicht tragbar. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise seien die Ungleichheiten offengelegt worden und seither zwängen die Nordländer dem Süden ihr eigenes, deflationär-exportorientiertes Wachstumsmodell auf (hier).

Zwar hat die vergleichende Kapitalismusforschung im Laufe der Zeit diese (vereinfacht dargestellte) Ansicht verfeinert, etwa durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Produktspezialisierungen, doch das dominante Narrativ bezieht sich meistens in irgendeiner Art auf die unterschiedlichen Lohnfindungsmechanismen. [...]

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