Bild: istock.com/Nuthawut Somsuk
The big read | 22.08.2018 (editiert am 27.08.2018)

Leistungsbilanzsalden – Die große Konfusion – 2

Über nichts wird mehr gestritten als über Handels- und/oder Leistungsbilanzsalden. Über die möglichen ihnen zugrunde liegenden wirklichen Probleme der internationalen Wirtschaftsbeziehungen aber erfährt man meist nichts.

Die „Verschenker“ interpretieren Leistungsbilanzsalden wie die „Sparer“ als ein Problem, das eng mit den Sparneigungen von Wirtschaftssubjekten verknüpft ist. Sie meinen, ein Überschussland profitiere bei genauerem Hinsehen nicht von seinem positiven Saldo. Denn die Sparer könnten vernünftiger Weise nicht damit rechnen, dass die Defizitländer die aufgetürmten Schulden jemals zurückzahlen könnten. Ergo: Die deutschen Sparer verschenken ihre Ersparnisse an Ausländer, die sich dafür deutsche Waren kaufen können.

Problematisch an dieser Sichtweise ist, dass sie ebenfalls unterstellt, es würden vom Überschussland Ersparnisse exportiert, die die Nachfrage nach deutschen Gütern erst ermöglichten. Das ist jedoch nicht der Fall, wie im ersten Teil am Beispiel der „Sparer“ gezeigt wurde. Denn die verringerte Nachfrage nach inländischen Gütern – die die Defizite im betroffenen Land verursachen – schaffen dort kein „Kapital“, sondern vernichten „Kapital“. Anders ausgedrückt: Geld wird zum Kauf ausländischer statt zum Kauf inländischer Güter verwendet. Folglich sind nicht verschenkte Ersparnisse des Überschusslandes das Problem, wie man bei einer reinen Saldenbetrachtung meinen könnte, sondern die verlorenen Einkommenschancen im Defizitland.

Allerdings können deutsche Ersparnisse tatsächlich gefährdet sein, [...]

Nichts schreibt sich von allein!

Nur für Abonnenten

MAKROSKOP ist das Magazin einer Neuen Monetären Ökonomik und damit in Deutschland einzigartig. MAKROSKOP steht für das große Ganze. Wir haben einen Blick auf Geld, Wirtschaft und Politik, den Sie so woanders nicht finden.

Dabei leben wir von unseren Autoren – Quer- und Weitdenkern –, ihren Recherchen, ihrem Wissen und ihrem Enthusiasmus. Gemeinsam scheren wir aus den schmaler werdenden Leitplanken des Denkbaren aus. Wir verlassen die journalistische Filterblase, in der sich viele eingerichtet haben. Wir öffnen Fenster und bringen frische Luft in die engen und verstaubten Debattenräume.

Das verschafft uns nicht nur Freunde.

Wenn Sie uns gerade deswegen unterstützen möchten, dann folgen Sie einfach dem Button. Alle Abonnements beginnen ganz unverbindlich und sofort kündbar mit einer zweiwöchigen Testphase.

Testen Sie Makroskop

Anmelden