Frankfurter Bahnhofsviertel, Bild Martin Krolikowski via flickr / CC BY 2.0
Linke und Liberalismus | 03.08.2018 (editiert am 09.08.2018)

Ordnung ist das halbe Leben

Mit dem Schlagwort »Ordnung« lässt sich heute kaum noch eine Partei zitieren. Ordnung liest sich bieder und spießig. Ein Spaziergang durch Frankfurt zeigt aber: Ordnung müsste sein. Und warum wirbt »Die Linke« nicht mit der Ordnung als Thema?

Was waren das doch für Verheißungen, als man uns Bürgerinnen und Bürgern die neuen Liberalisierungen unserer Gesellschaft schmackhaft machte. Alles sollte effektiver werden und natürlich günstiger. Alte Regularien und letztlich die sich daraus ergebenden Konventionen sollten abgewirtschaftet haben. Sie seien nur ein Hemmnis, erschwerten den Alltag – so hieß es.

Daher habe sich der Staat mit seinen dicken Kladden an Regelwerk und Vorgaben peu a peu zurückzuziehen, Entbürokratisierung und Liberalisierung seien nun Gebote der Stunde. Europa mache zudem mobil, liberalisiere die Freizügigkeit und schenke den Europäern einen offenen Kontinent: Grenzen als Ordnungsrahmen sollten aufhören zu existieren.

Wie gesagt, man bot uns diesen Teilbereich des neoliberalen Sparkurses als fulminante Chance an, als Verheißung einer besseren Alltagswelt. Eine neue Ordnung sollte entstehen – zivilgesellschaftlicher und somit weniger staatlich. Dass es unter Umständen gar keine Ordnung mehr geben könnte, dass an manchen Punkten Anarchie oder Chaos zur Normalität würden, die übrigens später auch als Ausdruck höchsten Lebensgefühls und Chancenreichtums skizziert wurden, [...]

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