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Kommentar | 28.09.2018

Deutschland spricht – nicht

Die Initiative der ZEIT mit dem Titel „Deutschland spricht“ muss als ein erneuter Versuch angesehen werden, den Bürger hinter’s Licht zu führen. Dass der Bundespräsident das unterstützt, spricht Bände.

Es ist doch gut, wenn man kluge und wohlmeinende Zeitungen hat. Die machen sich nämlich Sorgen um den Bürger, weil der sich nämlich zu wenig mit den Problemen der Zeit auseinandersetzt. Folglich versuchen die wohlmeinenden Verleger, den Bürger mit sich selbst ins Gespräch zu bringen. Deutschland muss sprechen, egal worüber und egal mit wem, Hauptsache sprechen.

Nach wunderbar sinnfreien Initiativen wie „Pulse of Europe“ oder „Du bist Deutschland“ jetzt also „Deutschland spricht“. Initiiert von der ZEIT und anderen unserer sogenannten Leitmedien sollen die Bürger endlich miteinander ins Gespräch kommen. Und der oberste Sprecher des Landes, der Bundespräsident, hat es sich nicht nehmen lassen, seine wohlmeinende Hand über das Ganze zu halten, auf dass die Deutschen endlich vernünftig miteinander kommunizieren lernen.

Dass es gerade die deutschen Leitmedien sind, die jede ernsthafte Auseinandersetzung zu bestimmten kritischen Themen unmöglich machen, kann man elegant überdecken, wenn man beklagt, dass die Bürger zu wenig miteinander reden. Warum stellen sich die Leitmedien (einschließlich ihres Schirmherrn) nicht einmal einer wirklichen kritischen Debatte – aber nicht nur mit den Bürgern, [...]

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