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Konjunktur | 11.09.2018 (editiert am 18.09.2018)

Die deutsche und europäische Konjunktur zur Mitte 2018 – 1

Die deutsche Konjunktur war auch zur Mitte des Jahres sehr schwach. Jubelmeldungen sind vollständig neben der Sache. Es besteht weiterhin die Gefahr einer veritablen Rezession.

Wir haben in einem früheren Beitrag (hier) schon darauf hingewiesen, dass sich der letzte ifo-Index (erschien im August, deckte aber den Juli ab) nicht dazu eignet, in Jubelmeldungen wegen der deutschen Konjunktur auszubrechen. Die jetzt veröffentlichen Zahlen zum Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe im Juli bestätigen unsere Vorsicht. Auch im Juli sind die Auftragseingänge, der wichtigste und verlässlichste Indikator für die deutsche Konjunktur, weiter gesunken, und das, obwohl es seit Jahresbeginn schon ziemlich stetig nach unten geht (Abbildung 1).

Abbildung 1

Während die Aufträge aus dem Inland noch relativ stabil waren, sanken die Aufträge aus dem Ausland in den beiden vergangenen Monaten in hohem Tempo (Abbildung 2). Seit dem Höhepunkt um die Jahreswende haben sie um über zehn Prozent verloren. Das ist ein klares Anzeichen dafür, dass sich in der Weltwirtschaft Entwicklungen ergeben haben, die auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden dürfen. Die Wirtschaftspolitik müsste in höchster Alarmbereitschaft sein, aber es gibt in Berlin offensichtlich niemanden, der sich auch nur für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zuständig fühlt.

Abbildung 2

Unterteilt man das Ausland in Eurozone und Rest der Welt, zeigt sich, dass in beiden Regionen die Nachfrage schwach ist (Abbildung 3). Zuletzt ging es insbesondere im Rest der Welt deutlich nach unten. Das Niveau hier ist mittlerweile so niedrig wie in den Jahren vor dem Aufschwung von Anfang 2017.

Abbildung 3

Der ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe (nicht der Gesamtindex) spiegelt den Verlauf der Auftragseingänge weitgehend wider (Abbildung 4). Man sieht gerade in den letzten Monaten sehr klar, dass der Index praktisch keinen Informationsvorsprung vor den Auftragseingängen hat.

Abbildung 4

Bei den einzelnen Branchen hat besonders das KfZ-Gewerbe einen extremen Einbruch zu verzeichnen (Abbildung 5). Das Bundeswirtschaftsministerium argumentiert, das habe mit Engpässen bei der europäischen Zulassung zu tun und ein Teil des Verlustes würde wieder nachgeholt. Das mag sein, es ändert aber nichts daran, dass die deutsche Industrie eine bedeutende Schwächephase durchmacht, deren Ursache vor allem in einer eklatanten Schwäche der Auslandsnachfrage zu suchen ist.

Abbildung 5

Auch in der Industrieproduktion gab es im Juli einen Rückgang zu verzeichnen (Abbildung 6). Das Produktionsniveau ist aber noch relativ hoch, verglichen mit dem Nachfrageniveau. In der Bauwirtschaft ging es im Juli kräftig nach oben, was im Nachhinein gesehen dem stark gestiegenen ifo-Index in diesem Bereich doch eine gewisse Berechtigung gibt.

Abbildung 6

Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich die europäische Industrieproduktion entwickelt hat.

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