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Konjunktur | 18.09.2018

Die deutsche und europäische Konjunktur zur Mitte 2018 – 2

Die europäische Konjunktur bleibt weiter schwach. Im Juli sank die Industrieproduktion erneut und bestätigt damit, dass der Abschwung in vollem Gange ist.

In Italien, in dem Land, das derzeit am meisten im politischen Fokus steht, ist die Industrieproduktion im Juli gesunken (Abbildung 1). Damit ist der kurze industrielle Aufschwung zu Ende, ohne dass die Produktion auch nur das Niveau von 2011 wieder erreicht hätte. Grandioser kann man nicht mehr scheitern. In Frankreich ging es im Juli zwar leicht nach oben, aber auch hier liegt das Niveau weiterhin sehr tief und nur wenig über dem von 2011.

Abbildung 1

Für die EWU ohne Deutschland muss man Ähnliches konstatieren: Das Niveau nach dem Ende des Aufschwungs ist kaum höher als 2011! (Abbildung 2). Auch Großbritannien ist bei diesem wichtigen Maß nicht von der Stelle gekommen. Das zeigt, dass der gesamte Kontinent fast zehn Jahre verschlafen hat.

Abbildung 2

In Südeuropa ging es im Juli nur in Spanien abwärts, aber auch hier ist die Aufschwungsdynamik gebrochen, alle drei Länder bewegen sich nicht mehr von der Stelle (Abbildung 3). Griechenland liegt noch immer mehr als zehn Prozent unter dem Ergebnis von 2011, aber auch Spanien ist nicht darüber hinaus gekommen.

Abbildung 3

In den kleineren nördlichen Ländern verzeichnet nur noch Österreich einen Aufschwung, auch wenn es im Juli leicht nach unten ging (Abbildung 4). Die Niederlande sind schon wieder in einer Industrierezession und auch Belgien hat mit dem europäischen Abschwung zu kämpfen.

Abbildung 4

In Nordeuropa spürt nun auch Finnland konjunkturellen Gegenwind, was in Schweden und Dänemark schon eine Weile zu spüren war (Abbildung 5). Auch diese Länder können sich der Abschwächung nicht entziehen, auch wenn die Zahlen von Monat zu Monat stark schwanken.

Abbildung 5

Im Baltikum, das immer recht früh auf konjunkturelle Schwankungen reagiert, ist nun schon seit einigen Monaten Stagnation zu verzeichnen. Diese Länder, in denen die Binnennachfrage wegen starker Lohnsteigerungen derzeit kräftig expandiert, müssen nun auch dem weltweiten Abschwung Tribut zollen.

Abbildung 6

In den mitteleuropäischen Ländern gilt das auch, wenngleich Polen noch immer recht stetig nach oben geht (Abbildung 7). Mittlerweile hat sich auch die Produktion in Slowenien abgeflacht, die für einige Jahre ziemlich steil nach oben gegangen war. Klar im Stagnationsmodus ist nun auch die Slowakei, während Tschechien zuletzt noch besser da stand.

Abbildung 7

Einen tiefen Einbruch gab es im Juli in Rumänien und Kroatien (Abbildung 8). In Rumänien findet dieser Einbruch wenigstens auf hohem Niveau statt, in Kroatien ist es eine schlichte Katastrophe. Selbst dieses Land, ein aufholendes Entwicklungsland im europäischen Maßstab ist bisher über das Niveau von 2011 nicht hinausgekommen. Es ist wohl nur den „unvollkommenen“ politischen Strukturen dort zuzurechnen, dass daraus keine Abrechnung mit dem neoliberalen Europa der letzten Jahrzehnte gemacht wird. Dass die Kommission dazu schweigt, ist auch jetzt noch ein Skandal.

Abbildung 8

Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum bald an der Front der Arbeitskosten neues Ungemach für die Wirtschaftspolitik droht.

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