Bild: istock.com/yngsa
Debatte | 04.09.2018 (editiert am 07.09.2018)

Kreaturen einer intellektuellen Krise

Moritz Schularick Artikel im Freitag zeigt exemplarisch, dass statistische Korrelationen die Erklärungen sozialer Sachverhalte nicht ersetzen können. Politisch fatale Fehleinschätzungen lassen sich dann nicht vermeiden.

Lange Zeit galt der Freitag – und gilt in vielen Kreisen noch immer – als kritisches, linkes Presseorgan. Darüber, dass sich dort in den letzten Jahren zunehmend feuilletonistische Belanglosigkeit ausbreitete, vermochte einen wenigstens der eine oder andere gelungene Beitrag hinwegzutrösten. Doch der Aufmacher des Wirtschaftsteils in der letzten Ausgabe (Nr. 35 v. 30. August 2018) reizt zu einem Zwischenruf.

Unter dem Titel »Kreaturen der Krise« referiert Moritz Schularick die Ergebnisse einer empirischen Studie, die anhand von Daten aus vielen Ländern über einen Zeitraum von 140 Jahren zeigt, dass auf Finanzkrisen überwiegend ein Aufschwung rechter politischer Parteien und Bewegungen folgte, während die Linke davon kaum profitierte.

Dieser Sachverhalt trifft sicher zu. Doch entscheidend ist, wie man ihn erklärt und welche Fakten man dazu heranzieht – oder auch ausblendet. Genau hier zeichnet sich der Artikel durch eine geradezu gemeingefährliche Gedankenlosigkeit aus.

Die „Dummheit der Volksmassen“

Dass er die sattsam bekannten und auf Makroskop zur Genüge behandelten Dummheiten repetiert – wie die, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden