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Konjunktur | 12.10.2018 (editiert am 30.10.2018)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Spätsommer 2018 – 1

Die deutsche Konjunktur war auch nach der Mitte des Jahres schwach. Zwar gingen die Frühindikatoren nicht weiter zurück, aber die Lage bleibt labil und abwärtsgerichtet.

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands sind im August leicht gestiegen, nachdem sie in den Vormonaten durchweg abwärtsgerichtet waren (Abbildung 1). Die Nachfrage aus dem Inland sank zwar, aber die vorher stark eingebrochene Auslandsnachfrage erholte sich leicht.

Abbildung 1

Bei der Inlandsnachfrage ist nun fast das Niveau von 2016 wieder erreicht, als die leichte konjunkturelle Erholung begann (Abbildung 2). Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei der inländischen Investitionsgüternachfrage (hier nicht gezeigt), bei der ein ziemlich genau zweijähriger Zyklus damit zu Ende geht. Das ist mehr als enttäuschend, hatten die Apologeten des konjunkturellen Nichts-tuns doch fest damit gerechnet, dass es früher oder später zu einem sich selbst tragenden Investitionsaufschwung kommt, der alle Skeptiker Lügen straft. Das ist nicht passiert, was unterstreicht, dass das Gerede von einem Boom in Deutschland von Anfang bis Ende nur aus Hoffnung besteht.

Abbildung 2

Das Geschäftsklima des ifo-Instituts für das verarbeitende Gewerbe hat im September die leichte Umkehr bei den Aufträgen nicht mitgemacht, was zeigt, dass diese Korrektur nur technischer Art ist und keine konjunkturelle Umkehr bedeutet (Abbildung 3). Was auch zeigt, wir haben hier darauf hingewiesen, dass der verbreitete Jubel über den ifo-Index im August vollkommen unangemessen war.

Abbildung 3

Beim Auftragseingang aus dem Ausland war es das Nicht-Euro-Ausland, das im August eine heftige Gegenbewegung zum Rückgang der vorausgegangenen Monate verzeichnete. Die Nachfrage nahm vor allem im Kfz-Gewerbe zu, wo vorher die größten Rückgänge zu verzeichnen gewesen waren (Abbildung 4 und 5). Aus der Eurozone gab es dagegen einen kräftigen Rückgang, der fast zu dem Niveau zurückführte, das zwischen 2014 und 2016 für eine langanhaltende Stagnation stand.

Abbildung 4

In den übrigen Branchen blieb es durchweg bei Stagnation, wie bei der Datenverarbeitung und der chemischen Industrie oder es ging wie im Maschinenbau leicht weiter zurück.

Abbildung 5

Die Industrieproduktion blieb im August fast konstant, bestätigte damit aber das Bild einer massiv an Schwung verlierenden Wirtschaft (Abbildung 6). Die Bauproduktion war im August leicht abwärts gerichtet und hat all denjenigen, die auf den großen Durchbruch am Bau setzen, wieder einen Dämpfer verpasst. Auch die überschießenden Erwartungen im ifo-Test von August (wir haben oben darauf hingewiesen) haben sich damit nicht bestätigt.

Abbildung 6

Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich die Industrieproduktion in ganz Europa entwickelt hat.

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