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Genial daneben | 09.10.2018 (editiert am 11.10.2018)

Igitt! Das grenzt ja an Populismus!

Auf Argumente kann man eingehen, sie diskutieren und allenfalls mit Gegenargumenten entkräften. Man kann ihnen aber auch einfach ein Etikett ankleben, und die Moralkeule schwingen: „Das ist ja der reinste ……. ismus. Da weiß man ja wie das endet.“

Eine häufig vorkommende Variante dieser Strategie ist kürzlich in einem Artikel in der NZZ angewandt worden. Der amerikanische Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen hat 200 Jahre Wirtschaftsgeschichte durchgekämmt, um den Populismus zu verstehen, und dessen Wurzeln freizulegen. Seine Erkenntnisse hat er in einem 260 Seiten dicken Buch mit dem Titel „die Versuchung des Populismus“ niedergeschrieben. Lukas Sustala hat das Buch in der NZZ besprochen. Zwischen den 120 Zeilen seines Textes werden spätere Historiker herauslesen können, mit welchen semantischen Tricks die Sieger der Globalisierung den Verlierern den Dialog verweigert haben.

Schon der Titel macht das klar: „Wut verwandelt sich in Politik“. Das Wort Wut kommt in den kurzen Text fünf mal vor. Aus der Psychologie wissen wir: Wer wütend ist, denkt nicht. Er handelt, wird handgreiflich, argumentiert nicht, sondern schreit. Dass sie der „populistischen Versuchung“ erliegen, ist eine weitere Charakterschwäche, die man kennen muss, wenn man mit Populisten Umgang pflegt. Ferner erfährt der Leser, dass der Populismus dort gedeiht, [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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