Kommentar | 12.10.2018 (editiert am 17.10.2018)

Kandidat Truger: Sich selbst für zu leicht befunden

Geht es nach den Gewerkschaften, soll Achim Truger neuer Wirtschaftsweiser werden. Seine Kritiker schießen scharf, er setzt auf Diplomatie und Versöhnung. Das könnte sich noch als großer strategischer Fehler erweisen.

Achim Truger kannten in Deutschland bisher wohl nur eingefleischte Fans der Volkswirtschaftslehre. Jetzt ist er Mittelpunkt eines Streits im bundesdeutschen Zentrum der Ökonomenzunft – dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

In der Hochburg des Ordoliberalismus kann es, wie so oft, nur um Ideologie gehen. Das „Problem“: Truger, Volkswirtschaftsprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR), ist Kandidat der Gewerkschaften für den Platz des scheidenden Peter Bofinger, wie das Handelsblatt Ende September herausfand. Die Gewerkschaften dürfen traditionell – nicht ohne Zähneknirschen der sonst eher arbeitgeberfreundlich- bis hörigen Mitglieder des Sachverständigenrates – einen Nestbeschmutzer vorschlagen. Ein gewerkschaftsnaher kritischer Ökonom folgt dem anderen. Soweit so gut, handelt es sich schließlich um ein eingespieltes Ritual des Konsenses.

Doch weil neue Mitglieder zum 1. März eines Jahres berufen werden und die Berufung normalerweise erst kurz zuvor bekannt gegeben wird, platzte die Bombe viel zu früh. Das gibt seinen Kritikern nun die Möglichkeit, monatelang gehörig auf den neuen Kandidaten einzuprügeln.

Eine Kostprobe gab der Direktor des von Arbeitgebern und Unternehmen finanzierten Instituts der deutschen Wirtschaft Michael Hüther ab. [...]

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