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Genial daneben | 31.10.2018

Schon Fake oder nur Shake?

Statistiken werden meist so interpretiert, dass ein für die Masse der deutschen Medien „richtiges Ergebnis“ herauskommt. Das gilt besonders bei der Arbeitslosigkeit, wo man seit Jahrzehnten auf Intelligenz verzichtet.

„Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt auf Rekordwert“, so oder ähnlich vermeldeten gestern landauf landab unsere ach so verlässlichen Medien (hier die FAZ oder hier bei Spiegel-Online), dass wieder einmal ein toller deutscher Erfolg am „Arbeitsmarkt“ zu verzeichnen ist. Und in der Tat, die Quote ist im Oktober sehr niedrig gewesen. Sie ist aber, und darauf kommt es bei der Betrachtung von Monat zu Monat eigentlich an, schon seit vielen Monaten sehr niedrig. Denkt man darüber nicht nach, kann man Monat für Monat einen großen Erfolg melden, den es vielleicht bei einer vernünftigen Betrachtung schon lange nicht mehr gibt.

Neben dem in den Medien üblichen Vergleich des jetzigen Monats mit dem entsprechenden Monat des Vorjahres gibt es jedoch eine viel intelligentere Art der Betrachtung und auch die wird von der Bundesagentur regelmäßig veröffentlicht. Bei der Berechnung der sogenannten saisonbereinigten Werte wird mit einfachen und bewährten statistischen Verfahren aus den Originalzahlen die Veränderung herausgerechnet, die sich von Monat zu Monat aufgrund der üblichen saisonalen Veränderungen ergeben haben.

Wer will schon intelligent sein?

Auf diese Weise kann man Monat für Monat viel sinnvoller interpretieren, was passiert, als wenn man sich auf die Veränderung gegenüber dem Vorjahr stützt. Gibt es eine Änderung im Verlauf (wie man das üblicherweise nennt), also von Monat zu Monat, dauert es womöglich 12 Monate bevor man bei der üblichen Betrachtung merkt, dass etwas schief läuft. Sinnvoll interpretieren wollen unsere Medien jedoch offensichtlich nicht, weswegen sie seit Jahrzehnten immer wieder danebenliegen. So auch im Oktober. Das, was bei den Originalzahlen so toll aussieht, erweist sich bei Betrachtung der saisonbereinigten Verlaufes als ein wirklich schlechtes Ergebnis.

Im Oktober gab es mit einem Rückgang von 9000 den geringsten absoluten Rückgang bei der Unterbeschäftigung (das sind Arbeitslose und in beschäftigungspolitischen Maßnahmen vorübergehend beschäftigte Personen) seit Mitte des Jahres 2017. Anfang des Jahres 2017 hatte eine konjunkturelle Belebung eingesetzt, die sich seit Mitte dieses Jahres auch deutlich positiv auf die Unterbeschäftigung ausgewirkt hatte. Wenn jetzt die Zahl auf unter 10 000 sinkt (sie hatten in vielen Vormonaten bei bis zu minus 30 000 pro Monat gelegen), ist das ein klares Anzeichen für eine Verschlechterung der Lage. Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Stellen (auch hier natürlich saisonbereinigt) seit vielen Monaten zum ersten Mal gefallen, was ebenfalls zeigt, dass sich die Lage in diesem Oktober deutlich verschlechtert hat.

Die Bundesagentur weist diese saisonbereinigten Zahlen in ihrem Monatsbericht für die vergangenen Monate auch aus, man muss sie folglich nur anschauen und darüber berichten. Beide Zahlen sind eindeutig wichtiger als die der Arbeitslosigkeit, weil die Zahl der Arbeitslosen auch dadurch schwankt, dass mehr oder weniger Menschen sich in beschäftigungspolitischen Maßnahmen befinden, also nicht wirklich Arbeit gefunden haben.

Ist die Meldung mit dem Rekordwert bei der Arbeitslosigkeit folglich richtig oder nicht? Man kann sich sicher auf den Standpunkt stellen, formal sei sie richtig. Sie ist kein offensichtliches Fake, aber sie ist eindeutig Shake, man hat die Statistik so lange geschüttelt, bis das „Richtige“ im Sinne der Medien und des Mainstream herauskam.

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