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Kommentar | 27.11.2018 (editiert am 01.12.2018)

Chancengleichheit als Taschenspielertrick des Liberalismus

Die Rede von „Chancengleichheit“ ist ein rhetorischer Taschenspielertrick des Liberalismus. Er hat die materielle Ungleichheit aus dem Themenfeld politischer Diskussionen verbannt.

Neben dem Grundsatz der Freiheit von staatlicher Unterdrückung und der aus dem Privateigentum hergeleiteten Freiheit des Unternehmertums vor „staatlicher Bevormundung“ (beide Freiheiten bilden im Liberalismus siamesische Zwillinge) spielt im Liberalismus das Konzept der Chancengleichheit als Zugeständnis an den zweiten Mottobegriff der französischen Revolution eine zentrale Rolle.

Allgemein wird unter Chancengleichheit nur die Abwesenheit von gesellschaftlicher Diskriminierung auf Grund persönlicher Merkmale und Einstellungen verstanden – wir betreten das zentrale Spielfeld der Gerechtigkeitsdebatten zeitgenössischer westlicher Demokratien.

„Spielfeld“ oder auch Spielwiese beschreibt dabei sowohl die Tabuierungsfunktion als auch die vergleichsweise Harmlosigkeit der so verstandenen Debatte über Chancengleichheit.

Denn klarerweise geht es in der Diskriminierungsdebatte – so selbstlos die Motive der Protagonisten im Einzelnen auch sein mögen – immer nur um die subjektbezogene Diskriminierung. Bezüglich des die Lebenswirklichkeit weitaus mehr prägenden materiellen Status einer Person als Voraussetzung der Vermeidung eklatanter Chancenungleichheit herrscht hingegen dröhnendes Schweigen.

Dies rührt daher, dass der Liberalismus als herrschende Ideologie die materielle Ungleichheit mit einem rhetorischen Taschenspielertrick aus dem Themenfeld möglicher politischer Diskussionen verbannt hat.

Die an den Staat gerichtete normative Feststellung in Art. [...]

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