Silvina Frydlewsky via flickr / CC BY-SA 2.0
Michel Houellebecq  | 05.11.2018 (editiert am 09.11.2018)

Chronist der liberalen Sinnkrise

Provokateur, Enfant terrible, Islamhasser, rechtsextrem: So beschrieben Medien wie Kritiker Michel Houellebecq zuletzt. Ein Missverständnis, denn ihn treibt etwas anderes an – was die Linke nicht auf ihrer Agenda hat: Und das macht er ihr zum Vorwurf.

Im Augenblick ist es ruhig um Michel Houellebecq. Der französische Bestseller-Autor zieht sich gerne zurück. Nur wenn er einen neuen Roman veröffentlicht hat, wagt er sich – auch dann nur zögerlich – an die Öffentlichkeit. Interviews gibt er generell selten, der Medienbetrieb ist ihm suspekt. Dem Spiegel teilt er letztes Jahr mit, dass er sein Verschwinden plane – dann gewährte er dem Magazin ein vorerst allerletztes Interview.

Menschen, die mit ihm zu tun hatten, attestieren ihm einen schwierigen Charakter – was man sich als nicht Involvierter gut ausmalen kann. Wahrscheinlich steckt viel von ihm in seinen Romanfiguren, derselbe Ekel vor der Mediokratie, dieselbe Frage nach dem Sinn eines Gemeinwesens, in dem das Individuum sich zwar frei entfalten kann, aber im kollektiven Verbund lediglich Entsolidarisierung und Vereinsamung kennenlernt.

Houellebecqs Romane handeln von Antihelden, von Protagonisten voller Lebensunlust, die in der modernen Gesellschaft resignieren, nur noch wenige materielle Wünsche hegen und denen letztlich alles scheißegal ist, was um sie herum geschieht. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

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