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Konjunktur | 20.11.2018 (editiert am 23.11.2018)

Die deutsche und europäische Konjunktur im Frühherbst 2018 – 2

Die BIP-Berechnungen für das dritte Quartal in Deutschland haben bestätigt, was wir seit Monaten sagen: Es geht bergab, und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Die Industrieproduktion in der EWU fiel im September leicht (Abbildung 1). In allen großen Ländern war die Entwicklung schwach, aber in Frankreich ging es deutlich bergab. Insgesamt zeigt das, dass es keine neuen Wachstumsimpulse gibt und ein sich verstärkender Abschwung jederzeit möglich ist.

Abbildung 1

Auch in Großbritannien stagniert die Produktion in der Industrie nun schon eine geraume Zeit (Abbildung 2). Man fragt sich woher in Großbritannien eine Wachstumsdynamik kommen soll. Die Abwertung des Pfundes nach dem Brexit-Entscheid von 2016 hat jedenfalls nicht gereicht, den realen effektiven Wechselkurs (also die Wettbewerbsfähigkeit des Landes) deutlich in Richtung Abwertung zu bewegen.

Abbildung 2

Auch in den kleineren Ländern Südeuropas macht sich die allgemeine europäische Schwäche bemerkbar (Abbildung 3). In keinem Land gibt es noch eine intakte Aufwärtsbewegung. Besonders für Griechenland ist das bitter, weil man große politische Hoffnungen in die leichte Belebung gesetzt hatte.

Abbildung 3

Auch Österreich spürt jetzt den europäischen Gegenwind (Abbildung 4). Die Industrieproduktion, die für einige Zeit stabil aufwärtsgerichtet war, scheint den Gipfel überschritten zu haben. Anders in Belgien, wo es im September noch einmal nach oben ging. Die Niederlande sind allerdings schon wieder in einer tiefen Industrierezession.

Abbildung 4

In Nordeuropa sind nun alle Länder unter erheblichen Schwankungen auf einen Stagnationskurs eingeschwenkt (Abbildung 5). Gemessen an dem Niveau von 2011 haben sie damit in diesem Aufschwung fast keinen Boden gut gemacht.

Abbildung 5

Die baltischen Länder, die den Aufschwung vorweggenommen hatten, sind nun ebenfalls ohne jede industrielle Dynamik (Abbildung 6). Was einfach zeigt, dass diese Länder vollständig von der Entwicklung in der EU insgesamt abhängig sind und keine eigene Dynamik entwickeln konnten.

Abbildung 6

In Mittel- und Osteuropa ist die konjunkturelle Schwäche überall zu sehen. Sogar Slowenien und die Slowakei, die lange Zeit einen stabilen Aufschwung zu verzeichnen hatten, bewegen sich nur noch horizontal (Abbildung 7). Auch Polen ist in den Sog nach unten geraten, obwohl es noch am wenigstens schlecht dasteht.

Abbildung 7

Auch Kroatien, Bulgarien und Rumänien bewegen sich im Stagnations- oder sogar schon Rezessionsmodus (Abbildung 8).  Für Kroatien bedeutet das, dass sogar das Niveau von 2011 in Gefahr ist, unterboten zu werden. Für ein Land auf dem niedrigen Entwicklungsniveau ist eine wirkliche Katastrophe. Auch Bulgarien hat über zehn Jahre kaum Fortschritte gemacht. Gemessen daran ist es in Rumänien gut gelaufen, da immerhin über die vergangenen zehn Jahre die Industrieproduktion fast verdoppelt werden konnte.

Abbildung 8

Lesen Sie im dritten Teil, wie sich die übrigen Indikatoren entwickelt haben und warum es extrem gefährlich ist, dass die Politik in Deutschland so tut, als ob nur Sonderfaktoren die „Delle“ erklären.

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