Von Stefan Didam - Schmallenberg - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, Link
Aufgelesen | 01.11.2018 (editiert am 02.11.2018)

Steuern – Der große Bluff

Jeder Versuch, die Vermögenden stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen, wird „als kalte Enteignung der Erfolgreichen“ gebrandmarkt: Norbert Walter-Borjan rechnet mit einer Steuersenkungslobby ab.

Ein Supermarkt in einem Vorort von Toulouse. Für jeden Einkauf gibt es einen Gewinn-Coupon und die Chance, dass der Supermarkt ein Jahr alle Steuern des Kunden übernimmt. Im Gespräch mit meinem französischen Gastgeber erfahre ich schnell: Steuern zahlen ist auch in unserem Nachbarland kein beliebtes Hobby.

Norbert Walter-Borjans legt jetzt ein Buch vor, das diesem Umstand Einhalt gebieten möchte. In „Steuern – der große Bluff“ erklärt der ehemalige Finanzminister Nordrhein-Westfalens (2010-2017), wie eine Steuersenkungslobby unseren Steuer-Unmut für ihre Zwecke nutzt. Und wie Steuerflucht und ein zunehmend ungerechtes Steuersystem mit Ungleichheit, geringen Aufstiegschancen und dem Zerfall des gesellschaftlichen Zusammenhalts zusammenhängen.

Eine auseinanderdriftende Gesellschaft

Walter-Borjan startet mit einer schonungslosen Analyse des gesellschaftlichen Zustands in Deutschland. Von fehlendem mobilen Internet im ländlichen Raum, Wohnungsmangel bis hin zu Schultoiletten, die Eltern von Austauschschülern peinlich seien, benennt er Infrastrukturdefizite, die „das Bild vom hoch entwickelten Deutschland auf krasse Art infrage stellen“. Auch die sich öffnende Schere in der Einkommens- und Vermögensverteilung kritisiert Walter-Borjans scharf. Deutschland habe die zweithöchste Ungleichheit in der Eurozone. [...]

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