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Konjunktur | 11.12.2018

Die deutsche und europäische Konjunktur im Herbst 2018 – 1

Die Abschwächung der deutschen Wirtschaft geht auch zu Beginn des letzten Quartals in nahezu unverändertem Tempo weiter. Ein stärkerer Einbruch wurde bisher noch von Sonderfaktoren verhindert, wird aber immer wahrscheinlicher.

Die Auftragseingänge bei der deutschen Industrie waren auch im Oktober schwach (Abbildung 1). Das Bild einer sich von der Seite der Industrie abschwächenden Gesamtwirtschaft verfestigt sich immer mehr. Auch der deutsche Arbeitsmarkt, der immer noch gefeiert wird, zeigt klare Schwächen. Die Zahl der offenen Stellen steigt schon seit Mitte des Jahres nicht mehr und die Zahl der unterbeschäftigten Personen würde nicht weiter sinken, hielte die Bundesagentur derzeit nicht mit besonders umfangreichen Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik dagegen.

Abbildung 1

Besonders schwach ist das Inland. Die Auftragseingänge sind hier inzwischen so weit zurückgegangen, dass man fast von einer Rückkehr auf das Niveau von 2011 reden kann (Abbildung 2). Das bedeutet eine Entwicklung ganz nahe an der Stagnation über den Zeitraum von sieben Jahren. Wer da noch von Boom redet, ist ein uneinsichtiger Ideologe. Bei den Investitionsgüterherstellern ist jetzt schon bei der Inlandsnachfrage das Niveau von 100 erreicht (hier nicht gezeigt), was klar belegt, dass es niemals einen von Investitionen getragenen Aufschwung gegeben hat und derzeit die deutsche Investitionstätigkeit wie seit vielen Jahren schon im Stagnationsmodus verläuft. Alle Prognostiker, die – wie die Institute und der Sachverständigenrat – auf eine Belebung der Investitionstätigkeit gesetzt hatten, liegen wiederum voll daneben.

Abbildung 2

Bei der Nachfrage aus dem Ausland war es im Oktober das europäische Ausland, das für eine positive Überraschung sorgte, weil von dort ein kräftiger Schub an Nachfrage kam (Abbildung 3). Angesichts der verbreiteten Schwäche vor allem in der Eurozone ist aber nicht zu erwarten, dass sich hier eine Trendwende nach oben andeutet. Es ist eher zu erwarten, dass es in den nächsten Monaten auch hier wieder einen Rückschlag gibt. Der Rest der Welt sorgte im Oktober nicht für neue Impulse und dürfte wegen unübersehbarer weltweiter Schwächesignale auch nicht der Bereich sein, der einen Abschwung verhindert.

Abbildung 3

Der ifo-Index für das verarbeitende Gewerbe ist seit Anfang des Jahres fast kontinuierlich gefallen und hat auch im November keinen Boden gefunden (Abbildung 4). Das ist schon eine bemerkenswerte Abkühlung, die sich auch mit Verweis auf das „immer noch hohe Niveau“ nicht relativieren lässt. Wie wir schon mehrfach feststellten, kann man nach einer so langen Quasi-Stagnationsphase wie von 2011 bis heute aus dem Niveau keinen Trost mehr ziehen, denn ein wirklich tiefer Einbruch ist gerade dann nicht mehr auszuschließen. Der Rückgang des Index im November gibt klare Hinweise darauf, dass auch in dem Monat die Auftragseingänge schwach waren.

Abbildung 4

Alle Branchen sind mittlerweile von der konjunkturellen Schwäche betroffen, wenn sich auch die Datenverarbeitung immer noch gut hält (Abbildung 5). Der Maschinenbau, ebenso wie Chemie und Pharma, ist noch nicht eingebrochen, droht aber der Automobilindustrie zu folgen, wenn nicht bald anregende Impulse von der Wirtschaftspolitik kommen.

Abbildung 5

Auch die Produktion in der Industrie ist im Oktober leicht gefallen und bestätigt damit die konjunkturelle Abkühlung, auch wenn hier die Tendenz noch nicht so klar abwärtsgerichtet ist. Dagegen geht es bei der Bauwirtschaft tendenziell bergauf; das Produktionsniveau von Beginn des Jahre ist immerhin schon um fünf Prozent übertroffen.

Abbildung 6

Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich die Industrieproduktion in Europa zu Beginn des Herbstes entwickelt hat.

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