Massachusetts Institute of Technology, istock.com/Wangkun Jia
Theorie | 21.12.2018

Die Lehrbuchweisheiten der Neoklassik – 2

Wie sieht die Neoklassik die Staatsverschuldung? Teil zwei der Kritik an N. Gregory Mankiws internationalem Lehrbuch-Bestseller.

In Kapitel 16 seines Lehrbuches („Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit“) stellt Mankiw zunächst die traditionelle Position zur Staatsverschuldung vor, nach der

„die Kreditaufnahme des Staates das gesamtwirtschaftliche Sparen vermindert und Investitionen verdrängt. Diese Sichtweise wird von den meisten Wirtschaftswissenschaftlern geteilt und war implizit in unserer gesamten bisherigen Diskussion der Fiskalpolitik enthalten“ (S. 590).

Bereits zuvor erklärt Mankiw den zugrundeliegenden Prozess etwas ausführlicher:

„Zunächst sollen die Wirkungen einer Erhöhung der Staatsausgaben […] betrachtet werden. […] Die Zunahme der staatlichen Güternachfrage muss […] durch eine gleich hohe Abnahme der Investitionen kompensiert werden. Damit die Investitionen sinken, muss der Zinssatz steigen. Die Zunahme der staatlichen Güterkäufe führt daher zu einem Anstieg des Zinssatzes und zu einem Rückgang der Investitionen. Die zusätzlichen Staatsausgaben verdrängen also die privaten Investitionen“ (S. 86).

Die Behauptung, dass eine staatliche Kreditaufnahme das „gesamtwirtschaftliche Sparen“ verringere, ist unsinnig – ein staatlicher Budgetüberschuss stellt keine Ersparnis dar. Sparen bedeutet den Verzicht auf jetzige Ausgaben zugunsten von höheren Ausgaben in der Zukunft. Ein Staat mit einer souveränen Währung braucht genau dies nicht zu tun. [...]

Guter Journalismus hat seinen Preis

Dieser Artikel ist nur für Abonnenten komplett einsehbar.

Anmelden