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Migration und Freie Märkte | 03.12.2018 (editiert am 04.12.2018)

Die Linke und die „Open Borders“

Einst beschränkte sich die Rede von „offenen Grenzen“ auf radikale marktwirtschaftliche Think Tanks und libertäre anarchistische Kreise. Nun ist sie integraler Bestandteil des liberalen Diskurses und führt die Linke in eine existenzielle Krise.

Vor Trumps „Build the wall!“ hieß es „Tear down this wall!“ Es war Ronald Reagan, der in seiner berühmten Rede von 1987 mit diesen Worten die Beseitigung der „Narbe“, der Berliner Mauer, forderte. Die Überwindung der von ihr ausgehenden Einschränkung der Bewegungsfreiheit sei nichts Geringeres als eine „Frage der Freiheit für die gesamte Menschheit“. Diejenigen, die sich „weigern, der Gemeinschaft der Freiheit beizutreten“, so Reagan, würden durch die unwiderstehliche Kraft des globalen Marktes „obsolet“ werden.

Und das taten sie auch. Zur Feier des Mauerfalls inszenierte Leonard Bernstein 1989 eine Performance von „Ode an die Freude“ und Roger Waters spielte „The Wall“. Barrieren für Arbeit und Kapital fielen auf der ganzen Welt, das Ende der Geschichte wurde erklärt, und es folgten Jahrzehnte der von den USA dominierten Globalisierung.

In ihrem 29-jährigen Bestehen starben rund 140 Menschen bei dem Versuch, die Berliner Mauer zu überqueren. In der versprochenen Welt der globalen wirtschaftlichen Freiheit und des Wohlstands hingegen starben allein im vergangenen Jahr 412 Menschen an der US-amerikanisch-mexikanische Grenze und mehr als 3000 im Vorjahr im Mittelmeerraum. [...]

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